Begegnungen der besonderen Art

Weil so lange kein Pfarrer/keine Pfarrerin hier war, hat es sich die Gemeinde scheinbar vorgenommen es mir richtig schön zu machen. Damit ich ganz lange bleibe und mich wohl fühle. Das löst natürlich überhaupt keinen Druck aus. „Wie lange bleiben Sie?“ „Erstmal für zwei Jahre“ „Und danach?“Tja, man wird sehen.

Hier einmal best-of der Nettigkeiten von den lieben Leuten hier:

In Woche eins lagen zwei Tulpensträuße auf meiner Treppe. Und Topflappen. Nach ein paar Tagen offenbarte sich mir Frau S., die mich damit begrüßen wollte. Die Topflappen waren für die neue Küche. Die wurde zwar erst einen Monat später geliefert, aber egal. Manchmal treffe ich Frau S. auf der Straße: „Sie können immer anrufen. Wir sind für sie da!“  Und das Abgefahrendste, was Frau S. bisher getan hat: Sie kommt vor dem Gemeindecafé ganz, ganz nah an mich ran und sagt: „Liebe Frau Pfarrerin, ich möchte Ihnen so gerne einen Liebensdienst erweisen.“ Mir stockt der Atem. “ Ich würde gerne irgendwas für sie tun und wehren sie sich nicht, ich helfe so gern.“ Nach einigem hin und her und meinem hilflosen Versuch, sie von ihrer Idee abzubringen kommt heraus: Frau S. wischt ab sofort für mich meine Treppe. Denn ich habe ja so viel zu tun und komme zu nichts. Ist es auch Seelsorge wenn ich Leute mir helfen lasse, die es unbedingt wollen?

Jemand aus der Gemeinde hatte noch eine Couch übrig (Grün! Ich mag grün!), auf der ich jetzt äußerst bequem sitze. Er hat sich sogar um den Transport gekümmert. Und als Überraschung einen Tisch mitgebracht. Jetzt wird es langsam richtig schön in dieser Wohnung!

Zum Sport im Ort wurde ich auch schon eingeladen – Bauch, Beine, Po. Ich überlege tatsächlich aus taktischen Gründen hinzugehen. Irgendwie muss man ja aus dem Pfarrhaus raus unter die Leute kommen.

Und wenn ich hier unterwegs bin erkennen mich die Leute, weil ich nach meinem Vorstellungsgottesdienst in der Lokalzeitung war. Mit einem Foto, das unvorteilhafter nicht sein könnte, aber einem wirklich netten Artikel. Beim Einkaufen an der Kasse eine Stimme von links: „Ahh. Sie sind doch unsere neue Pastorin!“ „Ja, das stimmt. Und Sie sind..?“ „Frau M..Ach das ist ja schön, ich habe Sie an Ihrer Spange erkannt!“

An der Spange, soso. Mit 1500 Einwohnern soll dieser kleine, schnuckelige Ort ja eine Stadt sein. Aber ich glaube, so fühlt sich wohl das Leben auf dem Dorf an.

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