Es war einmal… der perfekte Pfarrer

Egal, in welchen kleinen Winzdorf ich in meiner Gemeinde zum Gemeindekaffee komme oder wen ich treffe: Irgendwann geht es immer um Pfarrer N. Pfarrer N. war eigentlich Supermann, glaube ich. Sonntags immer drei Gottesdienste, und dazu hat er teilweise die Damen und Herren noch hin und zurückkutschiert. Leitete diverse Chöre, war kommunikativ, brachte Frau und mindestens 3 Kinder mit ins Pfarrhaus (ich wette, auch einen Hund!). Und er praktizierte das Modell des offenen Pfarrhauses. Wenn die Leute an ihn und seine Familie denken, schlagen die Herzen gleich ein bisschen höher und die Augen leuchten sentimental. Nach 5 Jahren zog er von dannen und seitdem vermisst Mann und Frau ihn hier gleichermaßen.

Ich habe großes Glück, denn in der Zwischenzeit war ein anderer Pfarrer hier vor Ort, der laut der Munkeleien etwas…anders gewesen sein soll. Nicht so mit Menschen. Nicht so mit der Pünktlichkeit. Ich vermute, sein schlimmster Fehler war wohl, dass er nicht Pfarrer N. war. Er hatte es nach dem Supermann bestimmt nicht leicht hier. Auch er ist mittlerweile schon seit 2 Jahren hier weg und ich freue mich, dass ich nicht an seiner Stelle war.

Dennoch stolpere ich manchmal über die Schwärmerei über Pfarrer N./Supermann Er nervt mich, obwohl ich ihn gar nicht kenne. Pff, offenes Pfarrhaus  – das ist doch total kontraproduktiv für die Burn-Out-Prophylaxe, weiß doch jeder. Vorgestern klingelt es nun an der Tür meines nicht offenen Pfarrhauses und vor mir stehen: Die Frau und 2 Kinder des Supermanns und die Freundin des einen Superkindes. Ob sie denn mal gucken dürften wie es im Haus jetzt so aussieht. Und die 4 lächeln so umwerfend charmant, na klar dürfen die rein, später mach ich ihnen auch noch Kaffee und rück die paar Kekse raus die wir eigentlich für unseren Besuch gekauft hatten. So laufen 4 mir völlig unbekannte Personen mit staunenden Augen durch meine neue Wohnung (Gästechaos!!), gefolgt von meinen 3 großen und 2 kleinen Gästen und mir und sie erzählen Geschichten von früher. Von zugigen Fenstern, fallenden Heizkörpern und Bogenschießen durch das Fenster des Kinderzimmers (Schlafzimmer in der Jetzt-Zeit). Im Garten zeigt das große Superkind dem kleinen Superkind wie man auf welche Bäume klettert. Aber der Kleine hat es auch so geschafft. Uns erzählen sie, welche (be-) rauschenden Feste in diesem Garten gefeiert wurden, angeblich wachsen hier wohl solche Pilze.

Pfarrer N. kenne ich zwar immer noch nicht, aber ich verstehe warum alle diese Kinder und diese Frau lieben. Zum Abschied hätten wir uns auch fast umarmt.

Den Ginko vor dem Badezimmer soll ich bitte stehen lassen. Der wurde gepflanzt als der kleine Bruder geboren wurde. Ich wusste nichtmal, dass es ein Ginko ist.

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