Die Jugend

Bis vor Kurzem dachte ich ja, ich wäre nicht so mega weit entfernt von der Lebenswelt der Konfirmanden und Konfirmandinnen. Mit 30 ist man ja auch noch nicht so mega alt. Und dann tauchten auf meinem Smartphone-Bildschirm folgende 3 Buchstaben auf: „wmd“.

Ich antworte meinem jüngsten Konfi (ok, der jüngste und nächstes Jahr auch der einzige) nicht, denn ich glaube, Max hat sich vertippt und schreibt nochmal neu. Max wechselt stattdessen das Medium von whatsapp zum facebook-messenger und wieder: „wmd“. Also muss ich mir die Blöße geben und antworte: „?“

Erwähnte ich hier schon, dass der Vorsitzende des Presbyteriums (Zitat!) „kein email“ hat? Wie ungefähr die Hälfte des gesamten Presbyteriums? In meiner Vikariatsgemeinde haben wir ganz entspannt über Mails die Leute zu Sitzungen eingeladen. Die Mutter der Konfirmandin Maria (in diesem Jahr gibt es 4 Konfis)  antwortete erst 2 Wochen später auf eine Anfrage von mir per Mail, öfter checkt sie einfach nicht ihr Postfach.

Ich befürchte, ich verstehe weder meine Konfis noch ihre Eltern. Aber immerhin scheint man mich zu verstehen, jedenfalls im Gottesdienst. Heute wurde ich wieder für meine deutliche Aussprache gelobt. Witzig, was die sich hier für Komplimente ausdenken. Dann haben die vielen Stunden mit der Sprechtherapeutin im Predigerseminar wohl tatsächlich etwas gebracht. Meine Worte kommen bisher jedenfalls an. Und ich wurde schon zweimal auf den Inhalt einer Predigt angesprochen. Eine Woche nach dem Gottesdienst – Zucker auf der Seele der Entsendungsdienstlerin!

Heute habe ich die Eltern der 4 Konfis die dieses Jahr dran sind eingeladen. Es erschienen: die Mütter. Angeblich mussten die Väter arbeiten. Abends um sieben. Auf dem Bau. Wie auch immer, die Damen waren gut drauf und lassen sich gerne auf meine Experimente ein. Statt Prüfung vor der Konfirmation ein selbstverantworteter Gottesdienst für die Gemeinde. Wir verstehen uns! Außerdem haben sie mir erzählt, dass zu Pfingsten die Kirchen mit Birken geschmückt werden, weil das böse Geister vertreibt. Klingt jetzt für mich eher heidnisch („Nee nee! Das ist eine kirchliche Tradition! Das war hier schon immer so!“), aber Lokaltradition lass ich als Grund mal durchgehen. Und Birken sind schön, so what.

Konfi Max habe ich übrigens im letzten Gottesdienst zur Mitarbeit verpflichtet. Und er hat ganz tapfer die (echt nicht leichte) Epistel aus dem Hebräerbrief gelesen. Laut und verständlich. Er muss wirklich geübt haben, wie wir es ausgemacht haben. Krasser Scheiß. Max antwortete mir schließlich auf mein hiflloses „?“  – „wmd= was machst du“ Ach so, na dann. „Noch ein bisschen Arbeiten“ schreib ich zurück. Klingt mega langweilig und auch irgendwie alt. Aber so ist das wohl mit Anfang 30 wenn man (whoop!whoop!) plötzlich Pfarrerin geworden ist.

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