Widerspenstige Zähmung

Das Leben im Pfarrhaus hat so seine Vor – und Nachteile. Es gibt Kollegen und Kolleginnen, die das Leben im Pfarrhaus ablehnen, weil man dann so auf dem Präsentierteller lebt und es keine echte Privatsphäre gibt. Bei vielen Pfarrhäusern kommen ja ständig neugierige Leute vorbei, gucken nach dem Rechten (die Kinder wohlauf? Der Rasen gemäht? Die Treppe gewischt? ) wollen Mittag essen oder eben mal mit dem Pfarrer/der Pfarrerin plauschen.

Seit Januar lebe ich nun in diesem alten, denkmalgeschütztem Pfarrhaus in dem, was sich hier Stadtkern nennt. Aber mit Stadt ist es, wie schon beschrieben, nicht wirklich weit her. Größtenteils lebe und wohne ich in diesem Haus alleine. Eine Frau, ein Pfarrhaus. . Da in der Etage unten das Gemeindebüro, das Archiv (das bekommt noch mal einen Artikel für sich!) und einige Gemeinderäume sind muss ich mich, bevor ich morgens die Zeitung hole, wenigstens einigermaßen ordentlich anziehen. Den Schlüssel für das Pfarrhaus haben hier nämlich so einige Leute und ich weiß nie, wem ich unten über den Weg laufen könnte.

Zwei Mal die Woche ist hier eine Dame, die unten die Räume ordentlich hält. Das Haus ist leider in einem so maroden Zustand, dass man die Ergebnisse ihrer Arbeit nicht wirklich sieht. Die Frau ist wirklich Gold wert, denn sie weiß alles über die Gemeinde. Sie hat mindestens 4 Pfarrer hier erlebt und sie weiß, wo im Garten die Schneeglöckchen wachsen. Und sie wusste – im Gegensatz zu mir – dass man hier, wenn jemand verstorben ist, am gleichen Tag um 12 Uhr „Seelenläuten“ macht und bei der Bestattung auch läutet. Wenn sie unten ist und vor sich hin werkelt kommt manchmal ihre Tochter vorbei. Mit dem Hund. Ich mag Hunde, aber dieser Hund mag mich nicht. Unterhaltungen mit den beiden waren bisher nicht möglich, da der Hund – sobald er mich erblickte – panisch und laut bellte. Ohne Pausen, ohne Ende. Ich dachte eigentlich immer, ich sähe ganz harmlos aus  – aber wer weiß, vielleicht ist das in der Hundewelt ganz anders.

Heute jedenfalls komme ich vormittags wieder hier an und manövriere das Auto erfolgreich in den Carport.  Das ist bemerkenswert, weil in letzter Zeit die Ein – und Ausparkaktionen bei mir nicht immer erfolgreich waren. Vor drei Wochen hab ich es geschafft, das Gartentor beim Verlassen des Pfarrgartens zu demolieren. Einmal vorne rechts mit richtig viel Schwung dagegen. Kawumm. Ergebnis: die rechte Tür des Tores hing leicht schief und ein Brett hatte sich gelöst (und eine Beule im Auto). Nichts wirklich Dramatisches, aber trotzdem war mir das ganz schön peinlich. Auf Ratschlag eines Presbyteriums-Mitgliedes übernimmt die Reparatur jetzt…der Bestatter. Ich brauchte einen Moment um zu merken warum. Klar, mit Holz kennt sich der gute Mann ja aus.

Heute aber, wie gesagt, alles schick gelaufen mit dem Einparken. Ich öffne die Tür und wundere mich. Es riecht komisch. Hat Frau G. (die Dame für alles) ein neues Putzmittel? Ich treffe sie (und ihre Tochter)  im Flur und frage nach. Ich kann nachfragen, weil der Hund der heut früh auch da ist, nicht bellt. Er guckt nur so verschämt von unten hoch, tapert auf mich zu und wieder weg. Einige Male. Der strenge Geruch jedenfalls ist laut der Dame von einem liebeswütigem Kater, der gegen meine Pfarrtür gepieselt hat. Wahrscheinlich das Tier, was auf meinem Auto auch immer so Katzenspuren hinterlässt. Ich sage dem Hund, dass er ja mal was gegen den Kater unternehmen könnte. Hund guckt ängstlich von unten, ein Schritt nach vorne, zwei zurück. Dann sage ich dem Hund, dass ich Hunde wirklich mag und er echt keine Angst zu haben braucht. Irgendwie verschlägt es uns vier in den Garten und da: Der Hund rennt los, zweimal um den Quittenbaum, in atemberaubendem Tempo, prescht nach links ins Gebüsch und kommt mit einem Stöckchen angewetzt. Und legt es mir vor die Füße. Die Tochter sagt: „Nu ist das Eis gebrochen“. Der Hund und ich haben dann noch ein wenig Quality-time. Am Ende weiß ich, dass der Hund eine Hündin ist und Emily heißt. Emily, meine neue BFF.

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