Zielgruppenerweiterung im ländlichen Raum

Seit gestern befinde ich mich offiziell im Ostermarathon. Nächste Woche liegen ab Gründonnerstag fünf Gottesdienste an. Pro Gottesdienst rechne ich ungefähr mit 8 Stunden Vorbereitungszeit. Nebenbei laufen diverse andere Dinge: Termine wegen des großen Gemeindeprojekts, mein erster wackeliger Versuch jemanden einzustellen, das Privatleben, ein von den Konfis selbstgestalteter Gottesdienst nächsten Sonntag (ich glaube, ich bin aufgeregter als sie)  und noch viel Unvorhergesehes.

Heute war Letzteres besonders stark vertreten: Von der Gründonnerstagsplanung werde ich durch Klingeln an der Tür abgelenkt, kurz danach sitze ich unten im Büro mit dem Presbyteriumsvorsitzenden und wir gehen die neue Friedhofsordnung durch. Zahlen verwirren mich. Menschen die anrufen und nach der Friedhofsordnung fragen  verwirren mich noch mehr („Ja, ich gucke mal nach und melde mich dann.“ Was im Moment nicht passiert weil: totale Ahnungslosigkeit). Also sprechen wir über Einzel – und Doppelgrabstellen, den Einmalbetrag und Betriebskosten und Verlängerungskosten damit meine Verwirrung weniger wird. Plötzlich taucht ein junger Mann im Flur auf. Ich gucke genauer hin – und tatsächlich! Eindeutig jemand unter 40. Ich bin schon fast wieder neu verwirrt, sowas habe ich hier bisher noch nie zu Gesicht bekommen. Der Presbyteriumsvorsitzende und er kennen sich aber schon. Wie sich herausstellt, ist der nämlich öfter da. Man begrüßt sich freundlich. Und dann ist die Kacke am dampfen. Ich untertreibe nicht, im folgendem Gespräch (man bedenke den Sprung von Gründonnerstag, Zahlenwirrwarr und dem was jetzt kommt)  taucht mindestens 6 Mal das Wort“Kacke „auf. Und daneben das niedliche Wort „Mausohren“. Diese Mausohren haben mit der Kacke zu tun, die haben es sich nämlich im Dachstuhl unserer Kirche gemütlich gemacht und dabei kacken sie ordentlich den Boden zu und deshalb ist der junge Mann jetzt da und bringt die Kacke raus („Säckeweise Kacke“). Seit einer Weile liegt da jetzt Folie, damit man die Kacke besser wegmachen kann. Mit seinen Händen deutet er die Höhe der Kackeablegerung an, wie sie vor ein paar Jahren mal war (ich schätze so 40cm). Jedes Mal wenn er Kacke sagt zucke ich ein bisschen zusammen. Ich wusste gar nicht, dass ich so zart besaitet bin, oder ich bin nichts mehr gewöhnt in meiner flauschigen Gemeindewelt.  Aber tiefgehender ist eine andere Erkenntnis: Ich predige mehr Fledermäusen als Menschen das Evangelium. In diese wunderschöne Kirche kommen sonntags vielleicht 20 Senioren und Seniorinnen,  aber die Fledermäuse (150!) wollen aus der Kirche gar nicht mehr raus, die bleiben zwischen Sonntag und Sonntag quasi erwartungsvoll in den Bänken sitzen/ an den Balken hängen. Und im Gegensatz zu den Menschen sind die Fledermäuse fruchtbar und mehren sich.

Von der Kacke und den Friedhöfen schwirrt mir der Kopf. Ich will gerade wieder hoch zurück an den Schreibtisch (Gründonnerstag!), als mich die Dame, die bei uns putzt abfängt und in die Teeküche einlädt. Weil ich die Regionalzeitung abonniert habe, haben wir nämlich seit gestern eine fancy neue Kaffeemaschine, Frau N. hat ein paar Pads dafür besorgt und nun können wir sie ausprobieren. Eine kleine Pause gönne ich mir und wer weiß schon, wo der Geist gerade wieder unterwegs ist. Ich schlürfe den heißen Kaffee und knabbere an einem Keks. Dann erzähle ich ihr von dem jungen Mann (den sie natürlich schon lange kennt) und der Kacke und Frau G. lacht laut los: „Das ist mir auch schon aufgefallen! Immer spricht der von Scheiße.“ Ich zucke wieder ein bisschen zusammen (was ist eigentlich los mit mir? Ich habe vor ein paar Jahren einen Song über besch… Tage geschrieben!), lache dann mit und stelle mir vor, das nächste Mal mit auf den Dachboden zu klettern um die Mausohren mal anzugucken.  Von der Kacke kann ich ja absehen.

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