Osterfreuden

Die kirchlichen Festtage sind ja meistens die Zeit, zu der man nach Hause fährt, die Eltern und Geschwister wieder sieht und Familienzeit genießt (oder auch nicht). Seit ich bei Kirchens am Start bin geht das für mich nicht mehr. Wer mich an Feiertagen sehen will, muss zu mir in die Gemeinde kommen.

Über Ostern hatte ich Besuch von meinem Freund und dessen Familie (Mutter, kleine Schwester – 6 Jahre, später kamen noch der Onkel, seine Frau und deren achtjährige Tochter dazu). Und plötzlich hatte ich die perfekte Pfarrfamilie! Es war herrlich: zwischen den Gottesdiensten wurde ich vorzüglich bekocht (Rouladen! Frankfurter grüne Sauce! Risotto!),  Abwasch und Aufräumen übernahmen die Damen und wenn ich vom Dienst kam, wurde ich neugierig ausgefragt, wie es denn war. Auf einmal war da sogar Osterdekoration in meiner Wohnung. Mit so blühendem Ästen aus dem Garten und bunten Plastikeiern. Und außerdem: die coole, kleine Schwester vom Freund: Gerda!

Am Gründonnerstag wurde Gerda gleich eingespannt zum Brot backen für das Tischabendmahl. Ungesäuertes Brot, Matzenbrot. Gerda knetete brav 15 Minuten lang den Teig, umsorgt von mir, Frau N. (die Frau für alles) und unserer Sekretärin. Die zwei Frauen haben sich sofort in Gerda verliebt, völlig verständlich.Ich habe ja noch nie Matzenbrot selber gemacht, aber wenn man es nach Rezept backt, kann ja eigentlich nicht viel schiefgehen. Wenn man das Rezept denn richtig liest. Die Brote buken und ruhten bis zum Nachmittag in der Gemeindeküche unten. Tischabendmahl war um 18 Uhr angesetzt. Um vier kam ich auf die Idee, meiner Schwiegermutter in spe (Barbara) die Brote mal zu zeigen. Die kann nämlich wunderbar backen. Besonders schön sahen sie schon mal nicht aus (5 platte, graue Flundern) und laut Barbara schmeckten sie nach „Baumarkt“. Nach einer kurzen Panikattacke meinerseits (Kann man das essen? Nein? Was MACHE ich denn jetzt?)  krempelte Barbara die Ärmel hoch und buk Matzenbrot 2.0. Ohne Öl und mit der Stunde Ruhepause, die der Teig eigentlich gebraucht hätte. In der Zwischenzeit konnte ich den Rest vorbereiten. Gegen sechs trudelten die ersten Damen aus der Gemeinde ein, wir waren eine große Runde, 18 Leute insgesamt. Gerda war traurig, dass ihr Brot nun nicht gegessen wurde, aber dafür erhielt sie andere wichtige Aufgaben. Punkt sechs Uhr waren die Brote fertig gebacken, Barbara probierte und befand sie für genießbar. Puh.

Gerda saß während der Andacht zwischen Barbara und mir, die anwesenden Damen aus der Gemeinde waren ebenfalls von ihrem Charme verzückt (Wer ist das? Ihre Schwägerin?! Ach das ist ja schön!). Ingesamt war es eine wirklich schöne Feier – zwei der Konfi-Jungs (die sich eigentlich überhaupt nicht mögen, aber das hat man null gemerkt)  haben mitgeholfen und mit mir abwechselnd Texte gelesen.  Als wir dann Traubensaft und das (noch warme) Matzenbrot teilten war die Stimmung erst feierlich, dann fröhlich und ausgelassen. Konfi Max machte ein paar Witze und die älteren Damen lachten herzlich.  So soll es doch sein beim Abendmahl!! Max wollte gleich das Rezept für das Matzenbrot haben, weil er es so lecker fand (wie die anderen Teilnehmenden auch, nochmal puh). Ich war über alle Maße zufrieden. Zum Schluss hatte Gerda dann ihren großen Auftritt: Sie las eine Fürbitte. Mit einem ganz entzückendem erste-Klasse-Deutsch aber ganz ruhig und ernsthaft. Ich saß neben ihr und hatte Herzklopfen. Die anderen Herzen im Raum hatte sie damit dann endgültig erobert. Nach dem Segen blieben viele noch sitzen, Brot, Wein und Weintrauben wurden immer wieder weitergereicht („Voll die Party“ Zitat Max), wir haben soviel gelacht, dass der Rest der Familie oben sich wunderte, was wir eigentlich im Gemeinderaum gemacht haben. So kann es eben auch sein  – superbe.

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