Osterfreuden Part II

Zum ersten Mal habe ich in diesem Jahr als Pfarrerin den Ostermarathon bestritten. Auf dieser langen Strecke habe ich so einiges zu sehen bekommen. Eine Auswahl:

Am Karfreitag hatte ich glücklicherweise nur einen Gottesdienst, weil der gute Herr Fritz den zweiten übernommen hat. Meine Predigt gefiel mir selber ganz gut, so gut, dass sie mich ziemlich mitgenommen hat und ich hinterher etwas schwermütig war (Karfreitag eben). Das lag aber vielleicht auch daran, dass nur 8 Leute da waren. Außerdem war der Gottesdienst mit Abendmahl und vorm Abendmahl bin ich immer nervös. Und wenn ich richtig nervös bin, bringe ich die Dinge durcheinander. Gerne auf richtig fatale Weise („Christi Blut, das für euch vergessen wird“).

Ein Presbyter aus dem Dorf fragte mich hinterher: „Und? Wie wars?“ Eigentlich hätte ich ihn das fragen müssen, aus der Gemeinde gab es nämlich überhaupt keine Rückmeldung. „War doch ganz schön..“ meinte ich und fühlte mich komisch dabei. Als ich hinterher erzählte, dass Herr Fritz im Nachbarort den Gottesdienst übernimmt und ich mich darüber freue meint ein anderer: „Waaas? Nur einen Gottesdienst heute? Das ist ja viel zu wenig an Karfreitag, das müssten doch viel mehr sein!“ Mit einem noch komischeren Gefühl fuhr ich danach wieder nach Hause. Aber immerhin wurde Christi Blut an diesem Karfreitag nicht vergessen, sondern vergossen.

Gottesdienst 1 am Ostersonntag war von der Bläsertruppe begleitet, die auch schon beim Vorstellungsgottesdienst grausig gespielt haben, bei der einen Beerdigung aber gut. Es scheint ein zyklisches auf und ab bei den Herren zu sein, Ostersonntag war ein großes Tief (wie unpassend zum Fest der Auferstehung!).  In der kleinen Kirche waren zwei alte Damen, zwei alte Herren, ein Elternpaar und zwei Kinder. Ostersonntag!! Die Bläsermänner verkündeten mir vorher, dass sie vorhaben ganz stark mitzusingen. Auch das hat nicht geklappt. Die Abendmahlsliturgie, die ja eigentlich so dialogmäßig zwischen Liturg_in und Gemeinde abläuft  musste ich alleine singen (“ Der Herr sei mit euch“ „und mit deinem  ( also meinem)  Geiste“) . Wenn die Bläser dann doch mal spielten und nicht schwiegen oder quatschten, war es viel zu laut für die kleine Kirche und unüberhörbar schief. Nach dem Gottesdienst beeilte ich mich zurück in meine Hauptpredigtstätte zu kommen. Da war nämlich Taufe angesagt. Die Bläsermänner beeilten sich auch, sie fuhren schneller los als ich. Unterwegs sah ich ein paar Autos am Waldrand stehen. Die Bläsermänner haben sich glaube ich nur so beeilt, damit sie noch in Ruhe im Wald pinkeln gehen konnten. Wenigstens sah ich sie nur von hinten.

Gottesdienst 2, die gleichen Bläser (weiter weg auf der Empore aber trotzdem genauso laut, genauso schief), ein in ein weißes Ungetüm gekleideter Täufling („Der gleiche Taufanzug wie sein Bruder!“ Die zwei werden sich amüsieren, wenn sie später mal ihre Taufbilder sehen), eine volle Kirche (Halleluja!) und vorher sogar noch Zeit, ein bisschen runterzukommen und nicht im Wald zu pinkeln. Allerdings: der Vater des Kindes fehlte. Er tauchte auch während des ganzen Gottesdienstes nicht auf. Das fand ich schade, ich hatte nämlich mit ihm das Taufgespräch am Telefon, während er an irgendeinem Flughafen war. Da machte er einen ganz netten Eindruck und die ganze Situation war irgendwie absurd witzig. Jedenfalls wusste keiner wo er war, aber niemand aus der Familie schien deswegen ernsthaft beunruhigt, was ich schon ein bisschen beunruhigend fand.  Das kleine weiße Rüschenmonsterchen  bei der Taufe hingegen: tiefenentspannt. Ohne Seiden-Mütze konnte ich am Taufstein dann auch seinen Kopf entdecken und erfolgreich taufen. Kein Schreck, keine Tränen. Immerhin.

Gottesdienst 3 war für mich die größte Überraschung. Ostermontag, eine Dorfpremiere. Neues Dorf, neue Leute. Mit einer Bläsertruppe von einem Gemeindeglied dort. Nach Ostersonntag 1 war ich vorsichtig mit meiner Ostervorfreude.  Als ich ankam, standen die Herrschaften schon vor der Kirche und spielten sich warm – und ich untertreibe nicht: sie spielten wundervoll. Und daneben: der Platz voll mit lauter jungen Leute, ein paar Kindern, Senioren und Seniorinnen- und alle guckten so fröhlich. Während des Gottesdienstes wurde ich permanent angelächelt, das war wirklich schön.  Beim Abendmahl segnete ich einen kleinen Jungen, der dabei seinen Kopf wie eine Katze in meine Hand schmiegte. Nach dem Gottesdienst hatten die Musiker noch Lust ein bisschen zu spielen und die Versammelten blieben sitzen und lauschten. Auch ich machte es mir in meiner Bank bequem und genoss, einfach mal zuzuhören und nichts sagen zu müssen.

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