Das erste Mal: Konventsfahrt

In knapp zwei Wochen habe ich endlich für längere Zeit Urlaub. Meine Vorfreude könnte nicht größer sein: erst geht es mit der Gang auf ein schnuckeliges Festival und danach reisen der Liebste und ich mit Katharina, Christian und Auguste durch Polen. Mit dem Zug und nicht mit dem Auto – aber das ist eine andere Story. Meine Vorfreude ist so groß, dass ich seit Anfang Juli innerlich auf Urlaubsmodus umgestellt habe.

Als Pfarrerin bin ich dazu verpflichtet an den Konventen des Kirchenkreises teilzunehmen und auch an den gemeinsamen Fahrten. Letzte Woche war für drei Tage so eine Konventsfahrt in einem Kloster in den Bergen. Ich dachte, dieser Ausflug wäre schon ein kleiner Urlaubs-Vorgeschmack. Stattdessen waren die drei Tage wie Predigerseminars-Nachgeschmack, nur ohne die coolen Leute aus meinem Kurs und ohne Whiskey. Wer trinkt schon Jim Beam? Aufstellungsspiele-Plenum-Kleingruppen-Vorstellung-Reflektion-Kleingruppen-Vorstellung-Austausch-Flipcharts-gestaltete Mitte. Dazwischen mikroskopisch kleine Pausen, teilweise zu wenig Essen (Hunger hat einen ähnlichen Effekt auf mich wie Aufstehen), permanentes Frieren und große Müdigkeit.

Die Müdigkeit hab ich praktischerweise von zuhause mitgebracht, weil Ulf und ich beim Gewittersturm nach der Bandprobe gegen Mitternacht ein anderes Auto beim Einparken angerumpelt haben. Das Opferauto bekam ein paar Schrammen.  Ulf sah von hinten ja schon ziemlich schlecht aus (u.a. der Gartenzaun), jetzt sieht er vorne auch mitleidserregend aus. Blinker kaputt und eine ordentliche Beule, die heute vom KFZ-Mann mit einem ominösem Heizdingsi und unter viel Gefluche wieder fast weggezaubert wurde. Jedenfalls fuhr ich das Opferauto an, hinterließ dort einen Zettel an der Rückscheibe und ging nach oben um vor der Konventsfahrt noch etwas Schlaf zu bekommen. Im Bett fiel mir ein, dass ich ja eventuell gerade Fahrerflucht begannen haben könnte und sah schon die Schlagzeile in der Regionalzeitung: „Junge, hübsche und nette Pfarrerin begeht Fahrerflucht – Spiegelarbeit ist nicht nur Schminken! Von wegen nett – Scheiße!“ , stand wieder auf und fand mich nachts um halb eins mit der Polizei und dem hingehoddertem Ulf im Regen auf der Straße ein. Tatsächlich hatte ich Fahrerflucht begangen (Zettel zählt nicht), aber die zwei Polizisten waren ok und ich bin mit dem lädierten Ulf nochmal mit dem Schrecken davon gekommen.

Zwischen den größtenteils 50-60jährigen Kolleginnen und Kollegen im Kloster fühle ich mich schon grundsätzlich etwas sonderbar, einfach weil ich jünger bin, anders spreche, Ringelsocken in löchrigen Stoffschuhen trage, twittere und weder das Plenum noch Kleingruppen wirklich cool finde (danke, Predigerseminar). Mit einigen der alten Hasen hab ich überraschenderweise gut connectet und dafür war diese Reise echt gut. All diese Menschen gehören zu meinem Job jetzt irgendwie dazu – alle paar Wochen ist Konvent, einmal im Jahr die Reise, Ausschüsse und AGs – Pfarrerin sein heißt auch, Teil des Kirchenkreises zu sein. Trotzdem  war ich heilfroh, dass noch ein paar andere Probedienstler mit waren und wir eine Kleingruppe bildeten um über das, was uns trägt ins Gespräch zu kommen. Stattdessen haben wir das, was uns trägt praktisch nachvollzogen und Musik gemacht. Halleluja!

Der befremdlichste  Moment des Ausflugs war die Zeit nach dem bunten Abend. Der bunte Abend selbst war erstaunlich ok (ich habe sogar einen Kreistanz mitgemacht und fand es lustig), wenn auch nicht wirklich vergleichbar mit den legendären Nächten im Predigerseminar. Kein Scheiß, es gibt so wunderbar talentierte, witzige und schlagfertige Theologen und Theologinnen – ich hab oft geheult vor Lachen oder vor Rührung und freue mich für die Gemeinden, die so großartige Pfarrer_innen bekommen haben. Aber zurück ins Kloster, in die Kneipe, zur Geselligkeit in der Generation Pfarrer_innen, die vor 20- 30 Jahren ihren Dienst angetreten haben. Erst war nur so Sitzen, Quatschen und Bier trinken – sehr entspannt und locker. Und dann haben sie angefangen zu singen: Volkslieder! Jetzt fahren wir übern, See übern See, jetzt fahren wir übern..! Und Schlager! Über den Wolken (aijaijaijai)! Stundenlang. Und als ich dann Hit the road Jack  und wonderwall (eigentlich auch Schlager, die ich mittlerweile ablehne zu spielen aber die Verzweiflung trieb mich dazu) anstimmte, forderten sie lauthals, ich solle doch mal bekanntere Lieder spielen.Tja, so ein Konvent ist ja auch dafür da, sich mal so richtig kennenzulernen und die lieben Kollegen und Kolleginnen kennen nun auch mein grumpy-cat-face.

Zeitgleich fand übrigens ein Konzert meines Lieblingssängers statt und der Liebste war da. Und ich war nicht da, weil ich ja auf Konventsfahrt war. Zum Glück ist bald Urlaub!

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