Heimkommen

Seit Sonntag bin ich zurück aus dem Urlaub. In manchen Taschen und Schuhen finde ich noch den feinen Sand der polnischen Ostseeküste. Besonders abends fehlt mir die gesellige Runde mit Katharina, Christian, Auguste und meinem Liebsten – die leckeren Piroggen und auch der der polnische Wodka. Noch letzen Samstag sind wir entspannt durch Danzig flaniert und haben die farbenprächtige Altstadt bewundert, wo gerade ein Künstlermarkt ist: MenschenMarktständeStraßenkünstlerWurstAkkordeonspielerinKleidungSchiffeKawaBernsteinBurger. So viel los da.

Auf der Heimfahrt mit Ulf erwartete ich, dass mich der Dienst sofort wieder in Beschlag nehmen würde. Was er auch tat, aber vorher gab es noch angenehme Überraschungen. Anfang August hatte ich Geburtstag und einige Gemeindeglieder haben das irgendwie spitz gekriegt. So fand ich auf der Treppe zur Wohnung eine fliederfarbene Geschenktüte mit Geburtstagsgrüßen der Dame, die mich auch schon mit Kirschen und Marmelade versorgt hat. In der Tüte fliederfarbene, selbstgestrickte Socken und ebenfalls fliederfarbene Duftbeutel für den Schrank und natürlich, ein Glas Marmelade (nicht fliederfarben). Vor dem Anrufbeantworter hatte ich schon ein bisschen Angst – wer weiß, was in der Zwischenzeit los war? Also hörte ich leicht nervös die Sprüche ab: zuerst ein lieber Gruß von Herrn Fritz („und hoffentlich bleiben Sie uns lange erhalten“* hach*) und von einem Presbyter der markige Satz „Alles Gute zum Geburtstag. Auch von Muttern!“ Das erleichterte den Wiedereinstieg und tröstete mich über die 57 ungelesenen Emails hinweg. Meine Wohnung versinkt derweil mal wieder im Chaos – verteilt auf allen (un-)möglichen Abstellflächen und dem Boden liegen Reste der Urlaubssachen, ungeöffnete Briefe, Amtsblätter und Marmeladengläser.

Jetzt gerade laufen die Vorbereitungen für meine erste Trauung hier am Samstag, Gottesdienstvorbereitung für Sonntag und nebenbei letzte Schliffe für den neuen Gemeindebrief (sich im Hochsommer über den Martinstag Gedanken zu machen ist auch irgendwie weird). So viel los hier, obwohl draußen nix ist mit bunten Häusern und Menschenmassen und Straßenmusik und Piroggen. Dafür gab es eben unten im Saal eine Dankeschön-Runde mit Kuchen, Eiskaffee und Salat für die vielen Damen, die bei den Gemeindeveranstaltungen immer Kuchen backen (ohne die würde hier gar nichts laufen, denn Kuchen gibt es ja immer). Ich habe Cous-Cous-Salat (Risiko!) beigesteuert, was für 14 von 15 Gästen eine kulinarische Neuigkeit war. „Was ist das? Sind das Graupen?“ Man aß interessiert und behauptete, es würde schmecken. Das neue Liederbuch wurde endlich eingeweiht, mit vielen Taizéliedern, die gut ankamen. Ein Glück, ab Oktober gibt es monatlich eine Taizéandacht. Finally! Bei dieser geselligen Runde wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass sich mein Chaos mittlerweile auch auf die unteren Gemeinderäume ausdehnt. Frau M. erzählte von einer Strickjacke und einem Schal, die seit der Goldenen Konfirmation in der unteren Küchen seien, aber niemand habe sie bisher abgeholt. Die anderen witzelten herum, dass man ja mal ein Fundbüro einrichten könnte (hier hängt seit einem halben Jahr eine hellblaue Strickjacke und ein Streifenbeutel im Flur). Auch ich lachte mit. Und dann kam Frau M. aus der Küche wieder, hielt eine schwarze Strickjacke und einen Schal in den Händen und natürlich: beides gehört mir. Ich hatte mich schon gewundert, wo das schwarze Jäckchen abgeblieben ist (soviel pastoralschwarze Kleidung habe ich nämlich nicht). Ertapptes Erröten bei mir, schallendes Gelächter der Gäste. Einmal Chaos-Braut, immer Chaos-Braut und jetzt für alle ganz offenbar. Na wunderbar.

Beim Gang nach oben  höre ich jemanden im Flur den Nachmittag auswerten: „das Schönste war das mit den Sachen der Pastorin! Herrlich“ Nun ja, solange es für Belustigung sorgt –  Lachen ist ja schließlich gesund. Ich räum gleich mal ein bisschen auf, aber erst muss ich nochmal kurz runter und die Gitarre holen, Mails checken, Badesachen suchen (gleich gehts an einen See) aber Moment? Wo sind die eigentlich? Ich räum gleich mal ein bisschen auf, aber erst..

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