„Der Herr ist auferstanden!“

„Der Herr ist (…) Er ist aufer(…) Wer ist auferstanden!?“

Meine Idee, die Gemeinde in meiner Hauptpredigtstätte am Ostersonntag miteinzubeziehen war gut. Doch die Gemeinde war nicht so weit. Beziehungsweise, sie war  einfach nicht da (Zeitumstellung? Osterbrunch?). So rief ich dann dem versammelten Häufchen Gemeinde von ca. 30 Menschen zu: „Der Herr ist auferstanden!“ und  das Häufchen antwortete zunächst mehr widerwillig als österlich erfreut. Sie wurden erst richtig froh, als Konfirmand Flo vor dem Segen einen Osterwitz zum Besten gab. Es ging um Hasen, Eier, Schwänze und einmal im Jahr Kommen. Öhm, vielleicht hätte ich den Witz vorher abfragen sollen. Immerhin verließ die Gemeinde anschließend lachend die Kirche und so soll es ja sein.

Nun liegen die zweiten Osterfeierlichkeiten in dieser Gemeinde hinter mir und träge Müdigkeit macht sich breit. Seit Donnerstag war das Pfarrhaus voll (Freund und Familie, wir waren zu acht) und der Zeitplan knapp. Sechs Gottesdienste in sechs verschiedenen Ortschaften, dazu nebenbei das Ferienprogramm mit der Familie und ein Rest Erkältung.  Ein ganz schöner Balanceakt! Ich verstehe, warum Menschen behaupten, der Pfarrberuf sei familienfreundlich: man kann sich die Arbeitszeit schon einigermaßen so hinschieben, dass man viel zu Hause ist. Außerdem kann es sehr schön sein, die Familie miteinzubeziehen (wenn sie denn will):

Den Gottesdienst zum Tischabendmahl am Gründonnerstag schmeiße ich komplett mit Barbara, Greta und Stefan (jüngerer Bruder von Freund/großer Bruder von Greta). Eigentlich sollten meine Konfirmanden helfen, aber Max ist eine Häckselmaschine auf den Fuß gefallen (mega fies) und  Flo war zu lange beim Arzt und schaffte es nicht rechtzeitig zurück (weite Wege auf dem Land). Der Gottesdienst ist gut besucht, wir müssen noch Tische anbauen. Auch Greta (mittlerweile in der zweiten Klasse) liest zwei Gebete. Wie im letzten Jahr halte ich die Luft an, während sie liest: sie kommt durch, ohne Stocken, ohne Fehler, flüssig und herzergreifend schön. Als sie fertig ist, geht ein Seufzen durch den Raum. Alle sind bewegt.

Aber ich verstehe auch, warum Menschen behaupten, der Pfarrberuf und Familie passten überhaupt nicht zusammen:

Ich sitze abends um halb neun  im Arbeitszimmer am Schreibtisch und bedenke die Liturgie für Ostersonntag. Es klopft an der Tür und Greta steckt ihren Kopf herein: „Saraaaa?  Wie lange musst du noch arbeiten? “ „Noch so 15 Minuten, ich komm gleich!“ Während ich die Daten für die Abkündigungen zusammen suche, höre ich die Bagage nebenan lachen und mit Schnaps anstoßen. Ich will auch Schnaps. Und dabei sein. Dann bemerke ich, dass am nächsten Tag ja  Abendmahl gefeiert wird und ich meinen schick ausgedruckten Ablaufplan (Reihenfolge der Gesänge mit Noten und Texten) aus meinem Gottesdienstbüchlein unlängst für Notizen zweckentfremdet und rausgenommen hab und ich die Noten noch mal neu kopieren  und einheften muss. Vielleicht könnte ich das Ganze auch auswendig, aber gerade an Ostern, wenn die Kirche voll ist (ach ja..) will ich das nicht ausprobieren. Zudem tendiere ich seit einigen Wochen dazu, selbst für meine Verhältnisse, unfassbar viel durcheinander zu bringen: Den Kurzurlaubsbeginn Anfang März (Freitag oder Donnerstag?), das Gemeindecafé bei Herrn Fritz (hatte Vertretung für mich organisiert,  das aber erst bemerkt als ich dort angekommen  bin *mööp*),  in Dorf F wartete man umsonst auf mich. Also auf Nummer sicher: Abendmahl reloaded für das praktische A5-Mäppchen. „Saraaa! Wir wollen Skip-Bo spielen! Kommst duuu?“ Nach 45 Minuten bin ich endlich fertig und das Mitspielen lohnt sich: ich gewinne.

Jetzt sitze ich wieder alleine in meinem großen Pfarrhaus und es ist seltsam still. Am Vormittag war ich im Büro so beschäftigt, dass ich mich gar nicht richtig von der Familie verabschieden konnte. Die Feuerstelle im Garten ist jetzt noch warm und zeugt von der ostermontäglichen, monströsen Gartenaktion der Familie: zwei Beete wurden frühjahrsfein gemacht, diverse Bäume und Sträucher zurückgeschnitten und die wilde, ausufernde Brombeere dem Erdboden gleich gemacht.Plötzlich ist (noch mehr) Platz für Gartenmöbel. Ich brauche Gartenmöbel!  Eben habe ich zwei Johannisbeersträucher eingepflanzt, die wir gestern vor dem Feuer gerettet haben. Mehr Obst, mehr Schnaps! Ich freue mich auf den Sommer, wenn ich meinen Geburtstag mit einem Mini-Festival im Pfarrgarten groß feiern werde  – mit Freund, Familie, der Gang, meiner Band und lieben Menschen, die ich seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen habe.

Eben habe ich mit Rahel telefoniert, sie ist seit Januar auch Pfarrerin im Probedienst und hat ihre Familie im Gegensatz zu mir ständig da. Ihr Liebster bleibt zuhause und kümmert sich um die zwei Kinder und den Haushalt. Wie die beiden das anstellen und wie es dabei läuft ist hier nachzulesen:  www.sonnenklauberin.wordpress.com und herrpfarrfrau.de.

Ich freue mich aber auch, wieder Ruhe zu haben. So komme ich endlich wieder zum Bloggen! Seid gegrüßt, ihr lieben Lesenden: „Der Herr ist auferstanden!“ …

 

 

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3 Gedanken zu “„Der Herr ist auferstanden!“

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