Flow oder Nicht-Flow

Es gibt Tage, an denen bin ich im Flow mit dieser Gemeinde und ihren Menschen. Jüngst geschehen beim letzten Taizégebet, wo endlich einmal mehr Menschen da waren als nur Martha und ich. Vier Jugendliche und drei Erwachsene, keine Martha, aber ich und ich war verzückt. Zwei Mädels aus der aktuellen Konfigruppe sind mit zwei Freundinnen gekommen. Jemand aus der Konfi-Whatsapp-Gruppe fragte hinterher, wie das Gebet denn nun war und sie schrieben „voll schön“ und „toll“. Sie kannten kein einziges Lied, sangen aber trotzdem sofort mit (schüchterner 13jährigen-Gesang hat etwas äußerst Herzergreifendes). Hach.

Es gibt Tage, an denen bin ich mehr im Flow mit anderen Menschen, als denen aus der Gemeinde. Letzte Woche z.B. habe ich gemeinsam mit Rahel höchst motiviert einen Gottesdienst ausgeheckt, mit allem drum und dran. Ab morgen habe ich über das Wochenende Urlaub (ENDLICH!), besuche sie (ENDLICH!) und feiere mit ihr dann neben unserem Wiedersehen  diesen Gottesdienst. Damit sich der Aufwand auch gelohnt hat, habe ich das ganze Paket letzten Sonntag hier in der Gemeinde an die Leute gebracht, was in meiner Hauptpredigtstätte fast ein Ding der Unmöglichkeit war. Es waren nämlich kaum Leute da. Nur drei treue Seelen versammelten sich letzten Sonntag im Gemeinderaum. Vermutlich, weil dieser fälschlicherweise als Lektorengottesdienst ausgeschrieben war. Aber come on, der gute Herr Fritz hätte hier durchaus mehr als drei Leute verdient. Und man soll mir bitte nicht kommen mit „wo zwei, oder drei in meinem Namen versammelt sind“. Wenig Leute im Gottesdienst machen neben aller Geistesgegenwart (sorry, Chef) meistens viel Frust, für alle Beteiligten.

Es war Rahels schöne Idee, in der Predigt ein Lied von Wir sind Helden zu spielen, Bring mich nach Hause. Immerhin, die drei Leute hier freuten sich hinterher sehr darüber („So ein schöner Gottesdienst!“) und ich war während der Predigt sowas von extrem im Flow. Predigen ist an sich schon intensiv, während des Predigens selbst zu musizieren (Gitarre und Gesang) steigert diese Intensität für mich nochmal deutlich. Als säße da das größte Publikum der Welt und nicht nur drei Menschen. Oder es ist am Ende doch die Geistesgegenwart (in dem Fall: erwischt! Danke, Chef).

Trotzdem schimpfe ich im Gemeindebüro gestern über den so mau besuchten Gottesdienst und drohe erbost und völlig ungeflowt damit, die Gottesdienste hier nur noch alle sechs bis acht Wochen zu feiern (dann könnte ich schließlich auch mehr Urlaub machen). Zufällig ist gerade eine Frau aus der Gemeinde da, die ihr Fehlen (alle haben dann immer so Erklärungen von wegen: krank, draußen glatt, verschlafen, Gäste zum Essen,  Hund krank, Mutter krank, Pferd krank, pffff)  mit den Worten zu rechtfertigen versucht: „Ich wollte ja wirklich zum Gottesdienst kommen, aber (hier kam eine kleine, dramatische Pause) ich saß auf der Toilette.“ Huh. Moment mal – hat sie das gerade wirklich gesagt? Auf der Toilette? So völlig ungeniert im Gemeindebüro? Zu mir? Ich kenne die Dame und ihr Redeverhalten (sintflutartig!) und plötzlich sehe ich sie sitzen, auf der Toilette und schlagartig wird es mir zu viel.  Ich mache „Hmhm, aha, ja…ich muss eben noch oben..“ und verlasse fluchtartig den Raum. Nicht sonderlich professionell, aber wenigstens effektiv.

Was manche Leute so von sich geben und teilen, ist doch wirklich erstaunlich. Heute nachmittag ging es im Gemeindekreis um das Thema Freiheit. Es war eine verhältnismäßig schöne Runde, man kam angeregt ins Gespräch, Erfahrungen wurden geteilt – alles super. Bis auf Herrn M., der leicht zwanghaft immer dazwischen quatschen musste. Herr M. ist sehr von sich überzeugt und glaubt, die Welt verstanden zu haben, daran will er alle teilhaben lassen, immer. Er wähnt sich mit der Welt im flow, eckt aber tatsächlich überall fürchterlich an. Mit ihm fand gerade eben folgender Wortwechsel statt:

Er: „Sie sollten das nächste Mal mal über UNfreiheit reden! DAS wär mal was.“ Ich: „Vielleicht mögen Sie ja etwas über Unfreiheit erzählen? Da könnten Sie bestimmt viel zu beitragen.“ Er: „Ich kann über ALLES reden.“ Okok...An Selbstvertrauen mangelt es Herrn M. offensichtlich nicht. Ich reagiere geübt souverän mit „Hmhm, aha, ja.. ich muss oben noch…“ und steige flugs die Treppen hoch in die Wohnung.

Es ist gut, dass morgen der Urlaub anfängt. YOFlO.

 

 

 

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5 Gedanken zu “Flow oder Nicht-Flow

  1. Ich wünsche dir einen schönen Urlaub und schöne Flow Momente. Ich habe noch zwei Tage, dann ziehe ich schon um und dann noch bis Mitte Februar in der alten Gemeinde „genießen“.

    Mein Satz sonntags nach den Gottesdiensten ist ebenfalls:
    Wenig Leute im Gottesdienst machen neben aller Geistesgegenwart zu oft viel Frust, für alle Beteiligten.

    LG

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