Aus dem Leben einer Pfarrkatze

Ihr Gefährt und sie höre ich schon wenn sie um die Straßenecke Richtung Pfarrhaus biegt. Ich kenne das Geräusch, wenn sie zweimal die Fahrertür schließt, das Hoftor öffnet und am Hintereingang fluchend mit den Schlüsseln kämpft, besonders wenn es dunkel ist. Wenn sie dann die Treppe heraufstampft (anders kann man es nicht bezeichnen), habe ich schon Position bezogen hinter der Wohnungstür und setze zur Begrüßung an.

Seit über einem Jahr wohne ich jetzt in einem Pfarrhaus und meine besondere Position als Katze vor Ort erfülle ich mit Würde und Grazie. Ich mag es durch die Flure und Zimmer zu flanieren. All. Das. Ist. Mein. Und wer mich sieht, reagiert angemessen andächtig: So eine schöne Katze und so schlank, wie alt ist sie denn? Alle schätzen mich jünger, ich habe mich gut gehalten und das ist mir vollends bewusst.

Sie scheint es mir ab und an gleichtun zu wollen, dann passt sie ihre Kleidung meiner Fellfarbe an, von oben bis unten. Meistens läuft sie dann besonders hektisch (und wenig elegant) durch die Räume, sucht hier nach etwas oder dort, rennt die Treppe runter und wieder hoch und findet das rote/schwarze Buch/die Taschentücher/das Glas Wasser/ das Telefon/das Geld/die Mappe/die Schlüssel und poltert wieder nach unten. Aus dem Fenster sehe ich sie in das große Haus gegenüber eilen, wo vor ihr schon Menschen mit meist grauen oder weißen Haaren gestanden und geplappert haben, bevor sie nach drinnen verschwunden sind. Wenn ich die Ohren spitze kann ich hören, wie sie drüben zur Begrüßung ansetzt. Manchmal singt sie auch, glaube ich.

Das macht sie von Zeit zu Zeit auch spät abends in meinem Wohnzimmer, dann spielt sie dazu auf dem kleinen Holzteil oder auf dem großen oder dem ganz kleinen. Ich kann das  überhaupt nicht leiden und sie weiß das auch. Spätestens nach 10 Minuten setze ich ein vorwurfsvolles Gesicht auf, setzte mich sehr aufrecht neben oder vor sie und mache geräuschvoll auf mich aufmerksam. Dann dauert es nicht lange, dass sie etwas aus dem Schrank aus Küche holt was mir schmeckt, ich tue ihr den Gefallen und lasse sie als Dankeschön etwas in Ruhe spielen. Auch Menschen brauchen Spielen.

Morgens macht es mir Spaß, sie auf ihrer Liegewiese zu besuchen und zu wecken. Obwohl ich zart erscheine kann ich knallhart sein, sie weiß das natürlich. Deshalb versteckt sie sich dann unter der Bettdecke, aber das hilft nur kurz. Manchmal gibt sie dann brummende Geräusche von sich, fast wie ihr Gefährt. Ich weiß nicht, ob das gesund ist. Spätestens wenn ich beginne, Dinge von ihrem Nachttisch zu schubsen, steht sie auf und ich bekomme mein wohlverdientes Frühstück und habe, na klar, gewonnen.

Ansonsten haben wir beide keine wirkliche Struktur, jeder Tag ist unterschiedlich, mal ist sie den ganzen Tag zuhause und starrt in das leuchtende Gerät, wovon ich freilich versuche, sie abzuhalten. Wenn sie darauf herumtippt, tippe eben auch ich darauf herum, mit Pfoten geht das doch wohl genauso gut, ich kann auch hilfreich sein. Meistens ruft sie dann erbost meinen Namen und ich springe schnell vom Tisch. Ein ander Mal ist sie stundenlang weg. Es kann sein, dass sie die halbe Einrichtung mitnimmt und hinterher wieder hochschleppt, das kleine Holzteil, die Plastikkiste mit Büchern und einen vollen Rucksack. Mit solcherlei Umständen kann ich ganz gut leben, ich kann auch mal allein sein, hauptsache die Heizung ist an und ich kann meinen Bauch wärmen. Was mir gehörig gegen den Strich geht, sind diese ständigen Besuche. Besonders schlimm sind (kleine) Menschen, die mich immer anfassen wollen. Höchst unangenehm.

Vor einer Woche waren 14 Menschen in meinen Gefilden, 12 davon über Nacht! Und diese Menschen setzten sich an sämtliche Kisten und brachten noch selbst welche mit und es war ein Höllenlärm. Sie lachte viel und war anscheinend zufrieden mit dieser Horde. Wie konnte sie nur? Ich war froh, als sie endlich wieder weg waren. Und damit sie endlich versteht, wer hier die Chefin ist habe ich ein deutliches Zeichen im Gästezimmer hinterlassen. Auch eine feine Katzendame muss sich schließlich zu wehren wissen. Jetzt sitzen wir beide auf der Couch und sie tippt schon wieder ewig in das Leuchtegerät. Es ist cs<,.vfläüpagrnkcxc,öl<sc,.—cyhjt675762qeoüp´csacxdmv.,dvs.,m vdaeioue

 

 

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