Jack, Stan, Roy und die anderen

Meinen Soundtrack für diese Wochen verdanke ich dem Rastplatz Krachgarten, einer erfolgreichen Gemeindewahl und dem Wissen, dass dieser Frühling in all seiner Pracht der letzte in dieser Gemeinde für mich sein wird. Vielleicht und sehr wahrscheinlich wird Gisbert niemals erfahren, dass seine Liedauswahl mir dabei hilft, mich selbst zwischen Abschied und Neuanfang zu verorten, in aller Widersprüchlichkeit die im Moment eben dazu gehört. Genau genommen geht es hier weniger um Gisbert als um Paul.

Wer ist eigentlich Paul? Als diese Werbung im Fernsehen lief, ging ich noch zur Schule. DAS waren noch Zeiten. Ich erinnere mich an laue Sommernächte an Seen, den Kassettenspieler im silbergrauen Auto meiner Freundin und, nach dem Abi, an den Duft von Freiheit, den ich überall meinte riechen zu können. Raus in die Welt, ins eigene Leben, in eine Stadt weit, weit weg. Eine sanfte Melancholie ergriff uns, wenn wir Melonen und Bier und Zigaretten teilten. Wohin gehen wir, wohin gehen wir, werden wir uns wieder sehen? Damals bildete Rio den Soundtrack, schön war das.

Paul fand nun seinen Weg zu mir, als ich gerade erschöpft und gierig die ersten Sonnenstrahlen in der Hängematte unterm Apfelbaum inhalierte. Zunächst irritierte mich der Gegensatz zwischen Strophen und Refrain. Einerseits so schwermütig, andererseits voll überschwänglicher, verspielter Freude. Ich dachte schon, ich würde das Lied nicht mögen. Dann begriff ich: Hier singt einer, der es auch schwer hat zu gehen. Dabei gibt es 50 ways to leave your lover. Vor lauter Begeisterung konnte ich die Hängematte in der folgenden Stunde nicht mehr verlassen, natürlich nicht. Ich schaukelte also hin und her zwischen Abschiedsschmerz und Fernweh, Traurigkeit und Jubel, Verbundenheit und Lust auf Neues und Unbekanntes und ich fand in aller Bewegung Ruhe in den Worten und Melodien von Paul Simon. Diese Gitarrenläufe, das fantastische Schlagzeug, ich bin immer noch entzückt und freue mich jedes Mal besonders auf die Stelle I appreciate that and would you please explain about the 50 ways? Ich glaube ihm sein Zaudern und Fragen, ich kenne das. Doch auch das Ende des Refrains ist ein Kracher: just set yourself free! Plötzlich singt er so lässig als wäre nix gewesen. Wie passt denn das alles zusammen?!

In meinem Fall weiß ich das noch nicht. Der Geruch von blühenden Obstbäumen lenkt mich vom Duft der weiten Welt  immer wieder ab und holt mich zurück. Bis der Sommer kommt.

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