Too much love will kill you

Die letzten sieben Tage im Dienst dieser weiten und schönen Landgemeinde haben begonnen. In meinem Flur stehen, noch völlig unberührt, verpackte Umzugskisten. Eine Freundin hat mir einen schicken Grundriss meiner neuen Wohnung erstellt und ich könnte jetzt Möbel vermessen und aufmalen und ausschneiden und auf dem Plan herumschieben, aber mir kommt es vor, als seien Umzug und Neuanfang noch Ewigkeiten hin.

Heute wird das auch sowieso nichts mehr, am Nachmittag war mein Abschiedsgottesdienst und all das Schöne und Dankbare und Traurige daher muss sich erstmal setzen. Ich bin völlig erschöpft, aber glücklich. Das hätte ich nie gedacht, dass ich einmal mit so viel Liebe und Wertschätzung würde verabschiedet werden. Kopf und Herz schwirren mir vor lauter Rührung. Vielleicht wird das ein Abschied, der gut gelingt. Das wäre wunderbar.

In meinem Arbeitszimmer stapeln sich Geschenke neben Präsentkörben neben Grußkarten neben neuen großen und kleinen Topfpflanzen. Ich sitze auf meiner grünen Couch im Wohnzimmer und es duftet um mich herum ziemlich betörend von diversen Blumensträußen, auf den Kommoden im Flur stehen zwei neue Orchideen, die hoffentlich bis zum Umzug noch am Leben sind. Wer mir Pflanzen schenkt hat Mut zum Risiko, oder einfach viel Gottvertrauen.

Auf dem Weg nach Hause bin ich noch einmal bei Herrn Fritz vorbei gefahren. Ich bekam Eier (von den wahrscheinlich glücklichsten Hühnern der Welt) geschenkt, eine immens riesige Zucchini (wer kommt zum Essen vorbei?) und dann sind wir nach hinten in seinen riesigen Garten gegangen, um ein paar Birnen zu ernten. Schau, wenn die so schön rot sind auf der Seite, sind sie gut. Greif zu und nimm dir! Immer nimm! Der gütige Herr Fritz mit seinen himmelblauen Augen wird mir fehlen, genau wie seine Altherrenwitze und seine einmalig ernsthafte und aufrechte Art zu lesen. Zum Abschied umarmen wir uns. Es schmerzt mich, ihn und die anderen Menschen, die mir ans Herz gewachsen sind, nicht weiter sehen und begleiten zu können.

In der nächsten Woche ist (neben den letzten Übergabegeschichten) noch eine Trauerfeier, eine goldene Hochzeit und dann ein allerletzter Gottesdienst. Ich bin ganz schön busy, was mich dankbarerweise davon ablenkt, wie unglaublich lange sich dieser Abschied schon hinzieht und dass mir langsam die Puste ausgeht. Mein Herz so schwer wie ein Planet. 

Aber das Herz ist auch voll klopfender Vorfreude. Der Umzug in die neue Gemeinde bringt Nähe zu Freundinnen und Freunden mit sich, zu Rahel und ihrer Familie, zu meiner Heimatstadt und meiner Familie und zu Flüssen, an denen ich mit meinen Bandjungs von früher gedenke, Musik zu machen. Und dann wird ein ganz neues Kapitel anfangen. Auch hier. Hoffentlich mit euch.

Ich schwenke meiner Trauer jetzt noch etwas in fantastischer Musik (Sufjan Stevens!) und Kerzenschein. Every road leads to an end. Oder, um auch einmal Bruce zu Wort kommen zu lassen: Everything dies, baby that`s a fact. But maybe everything that dies someday comes back.  Ach, hach.

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3 Gedanken zu “Too much love will kill you

  1. Das scheint der Abschiedssonntag zu sein. Ich hatte heute auch meinen Abschied von meiner Gemeinde. Und ich bin ganz bei dir. Das schwere Herz, die Fülle an Liebe und Wertschätzung, die einem entgegenschwappt, das Gefühlschaos von Trauer beim Abschied und Freude auf das neue…
    Ach – möge dir der Übergang gut glücken! Möge der Segen des liebenden, zätlichen Gottes dich umhüllen und mögen deine Schritte auf dem Weg in das neue immer fester und mutiger werden. Gott segne dich!
    Herzlichst Birgitta

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