Jack, Stan, Roy und die anderen

Meinen Soundtrack für diese Wochen verdanke ich dem Rastplatz Krachgarten, einer erfolgreichen Gemeindewahl und dem Wissen, dass dieser Frühling in all seiner Pracht der letzte in dieser Gemeinde für mich sein wird. Vielleicht und sehr wahrscheinlich wird Gisbert niemals erfahren, dass seine Liedauswahl mir dabei hilft, mich selbst zwischen Abschied und Neuanfang zu verorten, in aller Widersprüchlichkeit die im Moment eben dazu gehört. Genau genommen geht es hier weniger um Gisbert als um Paul.

Wer ist eigentlich Paul? Als diese Werbung im Fernsehen lief, ging ich noch zur Schule. DAS waren noch Zeiten. Ich erinnere mich an laue Sommernächte an Seen, den Kassettenspieler im silbergrauen Auto meiner Freundin und, nach dem Abi, an den Duft von Freiheit, den ich überall meinte riechen zu können. Raus in die Welt, ins eigene Leben, in eine Stadt weit, weit weg. Eine sanfte Melancholie ergriff uns, wenn wir Melonen und Bier und Zigaretten teilten. Wohin gehen wir, wohin gehen wir, werden wir uns wieder sehen? Damals bildete Rio den Soundtrack, schön war das.

Paul fand nun seinen Weg zu mir, als ich gerade erschöpft und gierig die ersten Sonnenstrahlen in der Hängematte unterm Apfelbaum inhalierte. Zunächst irritierte mich der Gegensatz zwischen Strophen und Refrain. Einerseits so schwermütig, andererseits voll überschwänglicher, verspielter Freude. Ich dachte schon, ich würde das Lied nicht mögen. Dann begriff ich: Hier singt einer, der es auch schwer hat zu gehen. Dabei gibt es 50 ways to leave your lover. Vor lauter Begeisterung konnte ich die Hängematte in der folgenden Stunde nicht mehr verlassen, natürlich nicht. Ich schaukelte also hin und her zwischen Abschiedsschmerz und Fernweh, Traurigkeit und Jubel, Verbundenheit und Lust auf Neues und Unbekanntes und ich fand in aller Bewegung Ruhe in den Worten und Melodien von Paul Simon. Diese Gitarrenläufe, das fantastische Schlagzeug, ich bin immer noch entzückt und freue mich jedes Mal besonders auf die Stelle I appreciate that and would you please explain about the 50 ways? Ich glaube ihm sein Zaudern und Fragen, ich kenne das. Doch auch das Ende des Refrains ist ein Kracher: just set yourself free! Plötzlich singt er so lässig als wäre nix gewesen. Wie passt denn das alles zusammen?!

In meinem Fall weiß ich das noch nicht. Der Geruch von blühenden Obstbäumen lenkt mich vom Duft der weiten Welt  immer wieder ab und holt mich zurück. Bis der Sommer kommt.

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Fast Gehacktes aus dem Supermarkt

Von Zeit zu Zeit kommt es vor, dass mich ein gewaltiger Anfall von Menschenhass überkommt. Ich schätze, das klingt für Außenstehende ziemlich anstößig: eine temporär misanthropische Pfarrerin.  Doch ich glaube, diese Gefühlslage ist unter Menschen (u.a.) im Pfarrdienst eine wohlbekannte, man spricht nur nicht so offen darüber, außer vielleicht in anonymen blogs. Wozu auch?  Vielleicht sind diese finsteren Momente eine natürliche Gegenreaktion zu all dem Verstehen und Annehmen, Kommunizieren und Mittragen und Aushalten und Diskutieren und Leiten und Erklären mit dem man tagtäglich so zu tun hat. Meistens bin ich eine recht freundliche und offene Person. Leute, die mir nahe stehen, können das bestätigen. Je nach Arbeitspensum und Problemlage(n) kann sich das eben aber auch ändern. Dr. Jekyll und Mr. Hyde grüßen freundlich und mit einem Funken Wahnsinn im Blick. Ich finde ja, wer diesen Beruf ausübt, braucht auch etwas Wahnsinn, sonst hält man das alles auch gar nicht aus und wird am Ende noch verrückt darüber. Ja-haha, huah.

Mir ist klar, dass ich in Menschenhasser-Stimmung keine gute Gesellschaft bin, nicht mal aus der Ferne. In meiner Vorstellung schwebt über meinem Kopf dann eine schwarzgekritzelte Wolke, die mich überall hin begleitet und darin steht dann wahlweise *hmpft*, *grummel*, oder schlicht *hass*. Jemand meinte mal zu mir, dass ich bei richtig schlechter Laune wie ein schwarzes Loch wirken würde, das alles Positive in sich aufsaugt. Dieser jemand hat schon lange nichts mehr zu melden (aus Gründen). Das Bild von der Wolke gefällt mir sowieso besser, so eine Wolke verzieht sich ja auch eher und lässt wieder die Sonne durch als ein schwarzes Loch irgendwo im All.

Letztens war ich  jedoch mit dieser Wolke in der irdischen Draußenwelt unterwegs, weil ich einkaufen musste. Hass schützt vor Hunger nicht. Ich fuhr extra zwei Gemeinden weiter, um nicht meinen Gemeindegliedern über den Weg laufen zu müssen.

Grimmig mustere ich vor Ort die anderen Gestalten mit ihren Einkaufswagen und Gesichtern. Schlimm, alles ganz, ganz schlimm. Hinter den Kartoffeln will ich abbiegen und mein Wagen stößt mit einem anderen zusammen. Rechts vor links, VERDAMMT! Segen und Fluch liegen nahe beieinander. Zwei Regale weiter passiert das Gleiche, auch noch mit demselben Typen, der mich daraufhin groß anschaut. Ich starre kurz entgeistert zurück und will  mich rechtzeitig abwenden, um ein Gemetzel im Konsumtempel zu vermeiden.

Er: „Guten Tag!“  „Hmmtag“ brubbele ich in seine Richtung. Wer wagt es, mich anzusprechen? Ist der lebensmüde? Ach, erinnere ich mich,  das interessiert mich heute alles ja gar nicht! Ich setze den Wagen wieder in Bewegung, er daraufhin ganz munter: „Nun weiß sie wieder nicht, wer ich bin.“ Er weiß nicht, was er tut. Als ich unter großer Anstrengung meinen Kopf hebe und den Mann skeptisch mustere, bemerke ich ein leichtes Zucken in meinem linken Auge. Oh-oh. Sein Gesicht kommt mir in der Tat bekannt vor.  „Nee, echt nicht“ bringe ich hervor, für Förmlichkeiten reicht es nicht. „N.N., Bestattungshaus Meier.“ Klar, dass ich in mörderischer Stimmung in der Obstabteilung  ausgerechnet auf einen Sargträger treffe,  „Ach so, na dann, ehm, so ohne Berufsbekleidung hab ich Sie gar nicht erkannt. Also dann…“ Ich lache gezwungen und ohne jede Freude und will nun endlich weiter, er lässt mich aber nicht: „Aber Sie habe ich erkannt ohne den Talar! Das Gesicht hab ich mir gemerkt!“

Seine Hartnäckigkeit erstaunt mich, seine Risikobereitschaft ebenso.  „Ja, das ist ja..“ vollkommen wahnsinnig, grauenvoll, suizidal, abgrundtief verstörend, bescheuert, anmaßend, verrückt, unangenehm, völlig fehl am Platz, beschissen, fatal, hoffnungslos bekloppt, brüskierend, herausfordernd, in den Grundfesten erschütternd, null emphatisch,  zum Himmel schreiend unvernünftig, selten dämlich, 

„Schön“  sage ich und ziehe meine Mundwinkel nach oben und anschließend den Wagen weit, weit weg.

 

 

Aus dem Leben einer Pfarrkatze

Ihr Gefährt und sie höre ich schon wenn sie um die Straßenecke Richtung Pfarrhaus biegt. Ich kenne das Geräusch, wenn sie zweimal die Fahrertür schließt, das Hoftor öffnet und am Hintereingang fluchend mit den Schlüsseln kämpft, besonders wenn es dunkel ist. Wenn sie dann die Treppe heraufstampft (anders kann man es nicht bezeichnen), habe ich schon Position bezogen hinter der Wohnungstür und setze zur Begrüßung an.

Seit über einem Jahr wohne ich jetzt in einem Pfarrhaus und meine besondere Position als Katze vor Ort erfülle ich mit Würde und Grazie. Ich mag es durch die Flure und Zimmer zu flanieren. All. Das. Ist. Mein. Und wer mich sieht, reagiert angemessen andächtig: So eine schöne Katze und so schlank, wie alt ist sie denn? Alle schätzen mich jünger, ich habe mich gut gehalten und das ist mir vollends bewusst.

Sie scheint es mir ab und an gleichtun zu wollen, dann passt sie ihre Kleidung meiner Fellfarbe an, von oben bis unten. Meistens läuft sie dann besonders hektisch (und wenig elegant) durch die Räume, sucht hier nach etwas oder dort, rennt die Treppe runter und wieder hoch und findet das rote/schwarze Buch/die Taschentücher/das Glas Wasser/ das Telefon/das Geld/die Mappe/die Schlüssel und poltert wieder nach unten. Aus dem Fenster sehe ich sie in das große Haus gegenüber eilen, wo vor ihr schon Menschen mit meist grauen oder weißen Haaren gestanden und geplappert haben, bevor sie nach drinnen verschwunden sind. Wenn ich die Ohren spitze kann ich hören, wie sie drüben zur Begrüßung ansetzt. Manchmal singt sie auch, glaube ich.

Das macht sie von Zeit zu Zeit auch spät abends in meinem Wohnzimmer, dann spielt sie dazu auf dem kleinen Holzteil oder auf dem großen oder dem ganz kleinen. Ich kann das  überhaupt nicht leiden und sie weiß das auch. Spätestens nach 10 Minuten setze ich ein vorwurfsvolles Gesicht auf, setzte mich sehr aufrecht neben oder vor sie und mache geräuschvoll auf mich aufmerksam. Dann dauert es nicht lange, dass sie etwas aus dem Schrank aus Küche holt was mir schmeckt, ich tue ihr den Gefallen und lasse sie als Dankeschön etwas in Ruhe spielen. Auch Menschen brauchen Spielen.

Morgens macht es mir Spaß, sie auf ihrer Liegewiese zu besuchen und zu wecken. Obwohl ich zart erscheine kann ich knallhart sein, sie weiß das natürlich. Deshalb versteckt sie sich dann unter der Bettdecke, aber das hilft nur kurz. Manchmal gibt sie dann brummende Geräusche von sich, fast wie ihr Gefährt. Ich weiß nicht, ob das gesund ist. Spätestens wenn ich beginne, Dinge von ihrem Nachttisch zu schubsen, steht sie auf und ich bekomme mein wohlverdientes Frühstück und habe, na klar, gewonnen.

Ansonsten haben wir beide keine wirkliche Struktur, jeder Tag ist unterschiedlich, mal ist sie den ganzen Tag zuhause und starrt in das leuchtende Gerät, wovon ich freilich versuche, sie abzuhalten. Wenn sie darauf herumtippt, tippe eben auch ich darauf herum, mit Pfoten geht das doch wohl genauso gut, ich kann auch hilfreich sein. Meistens ruft sie dann erbost meinen Namen und ich springe schnell vom Tisch. Ein ander Mal ist sie stundenlang weg. Es kann sein, dass sie die halbe Einrichtung mitnimmt und hinterher wieder hochschleppt, das kleine Holzteil, die Plastikkiste mit Büchern und einen vollen Rucksack. Mit solcherlei Umständen kann ich ganz gut leben, ich kann auch mal allein sein, hauptsache die Heizung ist an und ich kann meinen Bauch wärmen. Was mir gehörig gegen den Strich geht, sind diese ständigen Besuche. Besonders schlimm sind (kleine) Menschen, die mich immer anfassen wollen. Höchst unangenehm.

Vor einer Woche waren 14 Menschen in meinen Gefilden, 12 davon über Nacht! Und diese Menschen setzten sich an sämtliche Kisten und brachten noch selbst welche mit und es war ein Höllenlärm. Sie lachte viel und war anscheinend zufrieden mit dieser Horde. Wie konnte sie nur? Ich war froh, als sie endlich wieder weg waren. Und damit sie endlich versteht, wer hier die Chefin ist habe ich ein deutliches Zeichen im Gästezimmer hinterlassen. Auch eine feine Katzendame muss sich schließlich zu wehren wissen. Jetzt sitzen wir beide auf der Couch und sie tippt schon wieder ewig in das Leuchtegerät. Es ist cs<,.vfläüpagrnkcxc,öl<sc,.—cyhjt675762qeoüp´csacxdmv.,dvs.,m vdaeioue

 

 

Plötzlich in Amsterdam

Montagmorgen bin ich mit gutem Timing und einem unterkühlten Ulf aufgeregt Richtung Stadt (also Zuganbindung) gefahren und habe die Gemeindewelt für ein paar Tage hinter mit gelassen. Mein erster Urlaub ganz alleine in einer fast fremden Stadt, Amsterdam. Seit ich Single bin (schone eine Weile), probiere ich hin und her, wie ich meine freie Zeit gut und auch erholsam verbringen kann.

Dieses Austesten ließ mich im letzten Jahr quer durch Deutschland fahren und meine Mädels besuchen mit Friseurbesuch und Tanz und verkatert Tatortreiniger im Bett gucken. Es brachte mich zu meiner Familie und (zum Leidwesen der Nachbarn in 1 km Umkreis) mit sehr lautem Soundtrack ans Lagerfeuer mit meinem Hippie-Onkel und auch an einen Felsen bei Toulouse, an dem ich (zum ersten Mal überhaupt) hinaufgeklettert war ohne zu wissen, wie es später wieder runter geht. Ich habe bei dieser Reise auch Kontrabass gespielt und bin Kanu gefahren, was gar nicht so schlimm war, aber eine andere Geschichte ist. Oft war ich natürlich auch bei Rahel, ihrem Mann und den Kindern, wo es mittlerweile (was ein Segen!) ein drittes kleines Mädchen im Bunde gibt. Ein befreundeter Gitarrist schwärmte kurz nach Silvester bei einem gemeinsamen Mittagessen davon, wie er alleine für ein paar Tage nach Paris gereist ist. Ich war beeindruckt. Und für meine Urlaubsplanung inspiriert.

Nach einer ziemlich langen Anreise wurde ich nun also in eine Welt katapultiert, die mir (obwohl ich heute schon den zweiten Tag hier bin), immer noch surreal erscheint. So Großstadtflair und Hipsterbärte und Hollandräder bin ich überhaupt nicht mehr gewohnt, bei mir gibt es ja nicht mal Radwege, von hipsterescen Menschen mal ganz zu schweigen.

Heute morgen saß ich beim Frühstück in einer sehr schicken Pancake-Bar mit ebenfalls sehr schicken (jungen, teilweise bärtigen, freundlichen) Servicekräften und konnte auf die Straße blicken. Während ich dort saß und aß, sah ich zwei Musikanten, lauter schöne, junge oder jung aussehende Menschen mit bunten Kopfhörern und Strickschals auf Fahrrädern in sämtlichen Zuständen und andere in Autos und genau eine einzige Frau im Rentenalter. Mit ihrer geringen Körpergröße und den weißen Haaren fiel sie total aus dem Raster.

Auch wenn ich gestern einige Stunden unterwegs war und eigentlich Zeit dazu hatte auf Freizeit umzuschalten, bin ich gedanklich und gefühlig schnell in der Gemeinde. Nicht nur, wenn ich an der Pizzeria Pastorale vorbeikomme oder hier Glocken läuten höre oder der Mann auf der anderen Straßenseite so aussieht wie Herr H.aus dem Presbyterium, der auch schon ewig nicht mehr zu einer Sitzung da war. Die letzte Woche war aufreibend mit drei Beisetzungen, vielen Terminen und ein paar Dramen (Menschen!) drumherum, außerdem läuft ja das Bewerbungsverfahren und auch die Weiterbildung braucht Vorbereitung.

In letzter Zeit frage ich mich öfter, was mich am Landleben und den Menschen, die auf dem Land eigentlich leben so anrührt. Ich selbst nutze das Land kaum (außer, dass die Hängematte am Apfelbaum hängt und der Schreibtisch im Sommer auf die Terrasse wandert). Ist es das bäuerliche, naturverbundene Leben, dass mir irgendwie geerdeter erscheint? Oder sind es die geschwungenen Hügel, die Sonnenblumenfelder und der weite Himmel unter dem glitzernd Seen liegen, die mich in ihrer Schönheit ansprechen? Oder liegt meine Verbundenheit daran, dass ich nun Lebensgeschichten kenne und begleitet habe und so auf natürliche Art mit hineingewachsen bin in dieses vergessene Land? In eine Gegend von der ich vor vier Jahren noch nie etwas gehört hatte und die mir heute so bedeutend und weltbewegend erscheint. Pfarrdienst macht Sachen, aber ohne Scheiß.

Heute Nachmittag dachte ich, jemanden gefunden zu haben, der ganz ähnlich wie ich empfindet. Ich musste lange warten und geduldig sein (nicht meine Stärke), aber die Mühe hat sich gelohnt. Wer hätte gedacht, dass ich mich Vincent van Gogh einmal ganz nah fühlen würde? Vincent hatte zu Beginn seines Künstlertums (von Karriere zu Lebzeiten kann ja trauriger Weise nicht die Rede sein) eine Phase, in der er sich vor allem für das Landleben und besonders für die armen Bauersleute interessierte. Ich betrachtete die Bilder von Menschen in Feldern mit Sensen, die Kartoffel-Esser, das Porträt der alte Frau und das Pfarrhaus, in dem er zu dieser Zeit bei seinen Eltern gewohnt hat. Noch sind die Bilder eher dunkel und gedämpft, wenig lässt seinen späteren Stil erahnen. Vincent musste erst nach Paris ziehen und dort die Inspiration finden die er brauchte, um seine eigenen Farben und Pinselstriche zu entdecken und zu formen. Auch später wird er oft ländliche Szenen malen, wogende Weizenfelder, blühende (Apfel?-)Bäume, rote Mohnblumen vor gelben Korn – diese Bilder werden leuchten. Leider konnte ich nicht alles von ihm in Ruhe betrachten, denn die Saalordner im Van-Gogh-Museum nehmen ihren Job ernst und scheuchen Trödeltanten („jut a little time, pleeeaaase“) wie mich nachdrücklich zur rechten Zeit nach unten zum Museumsshop und zum Ausgang. Obwohl ich die T-Shirts und Tassen mit den blühenden Baumzweigen oder den Sonnenblumen hübsch fand, hab ich sie mir nicht gekauft. Das habe ich alles ja schon zuhause. Und da leuchtet es auch.

trial and error

Ich bin schon lange der Meinung, dass alle Menschen im Pfarrdienst (sicherlich auch in anderen Berufsgruppen) selbstverständlich und zu jeder Zeit Entspannungsmassagen verdient hätten. Für so einen personal Physiotherapeuten oder eine Therapeutin wäre ich eine sichere Einkommensquelle und zudem eine berufliche Herausforderung. Schließlich sitze ich die ganze Zeit nur rum: am Schreibtisch, wenn ich mit Ulf unterwegs bin (der mit der Zeit leider sehr unbequem wird), bei Kasualgesprächen auf irgendwelchen Küchenstühlen, Sofas und Sesseln und natürlich bei den obligatorischen (wie grausigen) Stuhlkreisrunden in Konventen und Gesprächsrunden. Nur in Gottesdiensten stehe ich ab und an auf. Vielleicht ist das auch ein Grund dafür, dass ich hinterher immer so unendlich müde bin? Dazu kommt, dass ich für gewöhnlich ein wirklich ganz träger Haufen bin (ach, Gisbert) und Sport nur im äußersten Notfall (nach Stunden keine Predigtidee oder abgründig schlechte Laune, die bald in Menschenhasserstimmung umschlagen könnte) mache. Ergebnis: null Sportlichkeit und gerne Rücken. Vor allem natürlich, wenn in der Gemeinde und bei mir viel los ist. Gerade ist viel los und da ich immer noch keinen personal Massagemenschen habe (was ich fatal finde!) musste ich mir jemanden suchen. Die Idee war gut, meine Wahl ungünstig, das Experiment darf als gescheitert betrachtet werden.

Erste Erkenntnis: keine Physiotherapeuten im Gemeindegebiet aufsuchen.

Der Behandelnde wurde mir von unserer Sekretärin empfohlen. Sie meinte schon, er sei speziell, wie auch seine Praxis, aber man bekomme schnell Termine. Die erste Frage des Physiotherapeuten an mich lautete dann auch: Geht es Ihnen gut bei uns? Werden Sie hier bleiben? Zu der Zeit lag ich schon halbnackt auf einem steinharten Frotteetuch auf der Liege und erwartete eigentlich die ultimative Entspannung. Ich brummelte so uneindeutig vor mich hin, wie es mir möglich war. Dann erzählte der Therapeut von Dorf G und meiner letzten Beisetzung dort (hatte ich schon wieder vergessen) und was die Leute über mich reden. Dann erklärte er mir seinen ganzheitlichen Ansatz: reden hilft. Wir müssen dahin kommen, wo die Verspannung herkommt. Das war der Moment, in dem ich hätte gehen sollen. Bin ich aber nicht. Die Massage hatte noch gar nicht richtig angefangen.

Zweite Erkenntnis: als Pfarrerin ist man (auf Gemeindegebiet) niemals nicht die Pfarrerin.

Wenn nicht ich irgendetwas Belangloses erzählte (auch darüber muss man ja nachdenken), sprach er, Reden hilft wohl in beide Richtungen. Und schwupp, war ich nicht etwa Einkommensquelle oder Patientin mit Mitleids-erregender Rückenmuskulatur, nein ich war die Seelsorgerin (crap) und für den Moment diesem Menschen und seiner Lebensgeschichte ausgeliefert. Ehe, Kinder, Erfahrungen mit der Kirche, mit dem Islam, mit dem Ort, mit den Leuten, Pfarrern aus der Nähe. Als er den linken Fuß massierte, kam er auf eine Predigt von mir zu sprechen, in der ich behauptet hatte, dass Gott auch weibliche Züge trägt und ein rein männliches Reden von Gott eine Engführung sei. Ganz schwierig, hat mich lange beschäftigt. Ganz schwierig, fand ich gar nicht gut sagt er, und knetete meinen Fuß nachdrücklich. Vielleicht gibt es Exemplare unter Theologinnen und Theologen, die an solcherlei Diskussionen immer ihre Freude haben, ich bin da anders. Statt lässig professionell zu reagieren und ihm irgendwie den Wind aus den Segeln zu nehmen, sah ich mich gezwungen auszuholen (Gott, die Schöpferkraft..die Quelle…Vater und Mutter..)  und zu erklären (kein Bildnis… ), schließlich sogar zu diskutieren (Gott ist anders!), aber alles sehr widerwillig und ohne nennenswerte Reaktion des Therapeuten. Am Ende der Massage war auch ich mit meinem Latein am Ende und ging verstimmt nach Hause.

Dritte Erkenntnis: aus manchen Nummern kommt man nur schwer wieder raus.

Wie verklickert man dem ortsbekannten Physiotherapeuten, dass man nicht mehr zu ihm will, ohne ihm vor den Kopf zu stoßen? Mir war ja schon aufgefallen, dass er gerne viel erzählt. Was, wenn er zukünftig in seine Anekdoten auch ein bisschen Pfarrerin-gossip untermischen würde?  Haben Physiotherapeuten eigentlich auch Schweigepflicht? Ich rätselte und rätselte und kam zu keiner rechten Lösung, dafür zu wenig Schlaf.

Letzten Sonntag tauchte er dann tatsächlich in Begleitung seiner Frau im Gottesdienst auf. Danke, Chef, dachte ich bei mir und schnappte ihn mir am Ausgang und erklärte, warum ich nicht mehr zu ihm wolle (Rollenkonflikt, die Methode etc.). Auf einmal bot er mir doch Massagen in Stille an, was ich dankend ablehnte (doch was gelernt!). Wir verabschiedeten uns freundlich, ich war sehr erleichtert und dann fiel ihm doch noch was ein und er hob den Zeigefinger, während er sprach:  Aber wir haben doch auch Lieder gesungen, wo wir vom „Herren“ gesungen haben. Ich habe genau darauf geachtet, hatte ich also doch Recht!  Ich seufzte und mir entwich ein Ja,ja  während ich zur Tür  entschwand, um die Sachen für den nächsten Gottesdienst zu packen.

Januar 2018

Dieser Jahresanfang ist turbulenter als erwartet. Ich frage mich, warum ich im vierten Jahr meines Probedienstes immer noch die irrige Vorstellung hatte, der Januar sei nach Weihnachten und Silvester vergleichsweise entspannt. Wenn man sich nicht rechtzeitig und für mindestens zwei Wochen an die Südsee oder so verkrümelt, ist man dem neuen Jahr mit aller Matschigkeit, die vom Ende des letzten Jahres noch an einem klebt, hilflos ausgeliefert. Erfreulicherweise bringt 2018 bisher noch mehr als Baubesprechungen, Gesprächsrunden und Haushaltsplanung:

Letztens ging es für mich zum zweiten Mal auf überregionale Konfifreizeit und ich muss sagen, es war wirklich vergnüglich. Schon auch mit den Konfirmandinnen und Konfirmanden, besonders aber mit dem anderen Mitarbeitenden. Ich fühle mich mittlerweile so gut im Pfarrkonvent aufgehoben, dass ich mich auf sämtliche Treffen freue (auch auf Konventsfahrten!), selbst wenn es nur kurz spätabends nach einem Wahnsinnskonfifreizeittag auf ein Feierabendgetränk ist. Es waren jüngere (Teamer) wie ältere Leute (Jugendmitarbeiter) dabei, mit denen ich im Herbst letzten Jahres im fernen Süden unterwegs war. Das Wiedersehen war freudig („Saaaaaraa!Du bist hiiiieer!“), ein Nachtreffen in meinen Gefilden wurde verabredet und ich plane schon, wie ich die Meute satt bekomme. Komme ich auf das Angebot von Flos Vater zurück, der mir noch ein Reh überlassen wollte und passt ein Reh in meinen Ofen? Oder kann man das über einem Lagerfeuer braten? Wer macht das Feuer? Oder frage ich den Kollegen, der selbst Jäger ist und dessen Gefriertruhe immer übervoll ist mit Wildschwein, Hühnern und Co.?  Oder gibt es einfach Chili und das dann vegetarisch und in Massen? Auch die Gemeinde wird etwas von diesem Besuch haben. Die Truppe kommt dann am Sonntag mit in die Gottesdienste und wird irgendwas beitragen. Ich schätze, was mit Springen, Jubeln und jugendlichem Überschwung. Schätze auch, dass das einen amüsanten Kulturschock auf beiden Seiten verursachen wird.

Ebenfalls in diesem Monat war ich undercover zu Besuch in einer Gemeinde anderswo, in der in diesem Jahr eine Pfarrstelle frei werden wird. Die Glocken läuteten zum Gottesdienst, die helle Kirche war bestuhlt und ausreichend warm geheizt (wie ungewohnt!) . Die Gemeinde sang auf Englisch (wow!), da ein Gastprediger aus dem mittleren Osten (auch ziemlich cool) anwesend war. Und die Kirche war voll! Und die Stimmung gut! Und hinterher gab es einen Brunch im Gemeindehaus nebenan (ohne Mettbrötchen, dafür gab es geschnippeltes Gemüse und Käsebrote). Und obwohl mir eine Frau um die 40 sehr überzeugt und beseelt von Jesus und ihrem Glauben erzählte und der ältere Herr neben mir in aller seiner Konservativität überaus freundlich war, konnte ich mich für diesen Ort nicht recht erwärmen. Für mich war es das erste Mal, dass ich eine potentielle, neue Gemeinde angeschaut habe und welch Überraschung, ich habe ordentlich gefremdelt. Ich hatte gehofft, dass ich dort ein eindeutiges Gefühl bekommen würde, das mir dann sagt: Ja, genau, das ist es, hier gehörst du hin. So Liebe-auf- den- ersten- Blick-mäßig. Andererseits habe ich damals, nachdem ich  zum ersten Mal durch meinen jetziges Wohnörtchen gefahren bin, auch erstmal heftig geheult. Ach, es ist kompliziert.

Die letzten Tage waren hier nahezu frühlingshaft und prompt steigt die Zahl der Beisetzungen an. Zum Auftakt  hatte ich heute bereits zweifach das Vergnügen (und bin entsprechend platt). Allerdings war ich schon vor der ersten Trauerfeier so zerstreut, dass ich den einen Sargträger gleich zweimal begrüßt habe. Ähh, ja. Die Bestattungsunternehmen aus der Ecke hier kennen mich mittlerweile und wissen, dass ich mich über ein Lesepult in der Trauerhalle freue. Es ist viel angenehmer, wenn man das Mäppchen ablegen und seine Hände auch mal abstützen kann. Heute hat das Unternehmen auch dran gedacht und ich habe mich auch gefreut, bis das schwere Holzpult mit einem lauten Rumms während der ersten Minute nach unten stürzte, zusammen mit dem Mäppchen und der würdevoll-ruhigen Atmosphäre. Manche Freude währt außerordentlich kurz.

Knut Tafel war heute auch dabei und hat an den Tasten wieder alles gegeben. Wir sehen uns gerade seltener als sonst, aber aus eigentlich schönen Gründen: es gibt einen neuen Kollegen in der Region (eine Vakanz weniger, juhuh!), der seine Gottesdienste etwas mehr im Voraus plant als ich und so ist Knut meistens schon verplant, wenn ich ihn zu Gottesdiensten anfrage. Auf Friedhöfen laufen wir uns aber weiterhin über den Weg, so wie eben heute.

Das ganze Dorf ist zur Trauerfeier gekommen, der Verstorbene war bekannt und beliebt. Entsprechend lange dauern die Erdwürfe am Grab. Obwohl ich in der wärmenden Sonne stehe, zittern meine Beine leicht, von unten kriecht doch noch etwas Winterwetter an mir hoch. Während Knut ein paar Meter weiter Trauerlieder auf dem Keyboard spielt, blicke ich mal ins Grab, mal nach rechts zur Trauerfamilie und dann nach links zu der Menschentraube, auf deren Erdwürfe ich noch warten muss. Mindestens noch 20 Minuten, schätze ich.

Ein alter Mann im beigen Mantel fällt mir auf, der nach dem Erdwurf leicht schwankend auf die Trauerfamilie zugeht. Gehört er dazu? Ist er verwirrt? Kurz bevor er bei der Witwe ankommt, hebt er seine Sonnenbrille und schaut auf einen Grabstein zu seiner Rechten und seufzt laut auf, um dann der Witwe um den Hals zu fallen. Ich hoffe inständig, dass er das darf. Knut spielt derweil Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer und ich denke den Text mit und versinke in eigene Gedanken, wie Wind und Weite und wie ein Zuhaus. Der Mann in beige taucht plötzlich ein paar Meter rechts von mir vor einem anderen Grabstein auf, nimmt wieder die Sonnenbrille ab und stößt nun, für alle gut hörbar ein „Ohhh je!“ aus. Ich frage mich, ob sich nicht vielleicht jemand um ihn kümmern sollte. War da nicht so ein junger Mann, mit dem er gekommen ist – wo ist der denn abgeblieben?

Suchend blicke ich mich um, von Knut erklingt derweil der Anfang von Von guten Mächten,  die alte Melodie, die heute nicht mehr so oft gesungen wird. Ich blicke nun auf den Sarg mit den roten und weißen Rosen, der immer mehr mit Erde bedeckt wird. Singt sich tatsächlich auch schwieriger, diese alte Melodie. Ein selbst für Knut völlig schräger Akkord reißt mich plötzlich aus den Gedanken und lässt mich aufblicken: Der Mann in beige steht direkt neben Knut hinterm Keyboard  (wo kommt der denn nun wieder her?) und blickt ungeniert in die Noten und auf die Tastatur. Knut ist sichtlich wenig begeistert und lehnt sich soweit wie möglich zur anderen Seite, spielt aber weiter, Strophe um Strophe. Der Mann bleibt und starrt, rückt noch näher an Knut heran und ich stehe am Grab und versuche das laute Gelächter das aus mir herausplatzen möchte, still und unauffällig in meine Mundwinkel umzuleiten.

Hinterher erzählt mir Knut, dass der Mann in beige einen Liedwunsch hatte, den er ihm dann noch erfüllt hat. Beim Trauerkaffee erfahre ich, dass der Mann in beige nicht verwirrt ist, sondern ehemaliger Lehrer des Dorfes und ein enger Freund der Familie, und eine wandelnde Wilhelm Busch-Zitat-Maschine.

Aber hier wie überhaupt, kommt es anders als man glaubt. 

Aus gegebenem Anlass III

In manchen Momenten kann ich sie deutlich sehen:
dann bin ich in den Dörfern und Städtchen der Region unterwegs und sehe und höre die Zeichen der Zeit, die an den Häusern und Kirchen und Menschen arbeiten. Die Geschichten von früher, die die Gemüter manchmal mehr zu bewegen scheinen als die Gegenwart. Die Erinnerung der Frauen und Männer an unendlich weite Wege, durch Wälder und tiefe Flüsse, Bilder der Gewalt am Wegesrand, immer vorm Einschlafen den Blick auf die Soldaten in der elterlichen Küche, es ist lange her und doch brennt der Schmerz heiß, die Sehnsucht nach der Heimat ist immer noch groß – der Durst nach Frieden und Gerechtigkeit. Es braucht nur einen kurzen Anstoß und schon lodert die Flamme wieder auf und die Bilder sind den Alten lebendig vor Augen.

Als ich vom Auszug des Volkes Israel erzählte, war das so.
Von dem Volk, das angeführt und beschützt wird durch Gott selbst, der da ist und mitgeht und beschützt und versorgt und sich selbst sorgt um jenes kleine, halsstarrige Volk, auch in der Wüste.
Dort, wo tagsüber gnadenlos die Sonne brennt und jeder Schritt zur Qual wird und wo die Temperaturen nachts eiskalt werden. Die Wüste lässt kein Mittelmaß zu, ein Ort der Extreme, der das wandernde Gottesvolk an die Grenzen der Belastbarkeit führt: immer wieder richten manche ihre Blicke sehnsüchtig zurück nach Ägypten, werden ärgerlich und zweifeln Gottes Weg mit ihnen an. Und niemals wird dadurch die Beziehung zwischen Gott und dem Volk abgebrochen, sie wird erneuert, erfrischt, auf Murren und Verweigerung und auf unstillbaren Durst in der großen Hitze der Wüste folgt Hinwendung Gottes:
da waren zwölf Wasserquellen und siebzig Palmbäume und sie lagerten sich dort am Wasser.

Ich war nie in der Wüste und ich kenne keinen Krieg. Meinen körperlichen Durst kann ich leicht am Wasserhahn stillen, lieber noch mit Sprudelwasser oder mit Mate und doch rührt mich heute tief an, was vor hunderten von Jahren Johannes auf der Insel Patmos deutlich sehen konnte:
die Zukunft, wie er sie sich erträumte, mit Flügelwesen, grünen, weißen und roten Pferden, Menschen mit Adlerkopf, bildgewaltig wie ein Star Wars-Film, aber mit anderen Klängen unterlegt. Klänge, wie ein Hoffnungslied, ein Soundtrack, der das eigentlich Unerträgliche mit Verheißung füllt.
Johannes hat die Schreckensherrschaft der Römer erfahren und überlebt, dunkle Erinnerungen umgeben ihn in seinem Exil, an das Brennen der Heiligen Stadt, die nun in Schutt und Asche liegt, auch er kann nicht zurück. Dennoch sieht er Hoffnung, in allen Farben leuchtend, eine Oase in seiner persönlichen Wüste. Johannes sieht Gott und seinen Sohn, hört Worte, die nicht seine sind, Worte voller Leben und Frische und er schreibt sie auf:
Ich will den Durstigen geben von der Quelle lebendigen Wassers umsonst.
Das sind Worte, die ich eigentlich singen will, immer und immer wieder, damit ich sie nicht vergesse in dem, was vor mir liegt in diesem noch unberührtem Jahr. Damit ich sie nicht vergesse, wenn ich zurückblicke auf das, was war und bei dem, was mich gerade jetzt bewegt.
Ich wünschte, die Worten würden mir zum Refrain, der mich immer wieder an das erinnert, worum es eigentlich geht. Dass Gott auch heute da ist, mitten unter uns, und dass er mitgeht und unterwegs auch an den unwirtlichsten Orten Leben sprudeln lässt.

In manchen Momenten können wir das sehen und glauben:
so wie die ältere Frau aus dem Gemeindekreis, die im Rückblick für sich erkannte, dass Gott auch sie auf ihrer Flucht bewahrt und beschützt hat und das es einem Wunder gleicht, wie wir alle bei Kuchen und Kaffee friedlich und sicher beisammen sein und auch über diese leidvollen Erfahrungen offen reden können.
Ich will den Durstigen geben von der Quelle lebendigen Wassers umsonst – mögen wir uns von diesen Worten begleitet und getragen fühlen, wie von einem schönen Refrain, einem Ohrwurm, der nicht nervt, sondern der Seele gut tut und neuen, frischen Schwung gibt:
im Auto unterwegs ins Büro, oder wenn wir uns Wege bahnen auf dem vollgepackten Schreibtisch, wenn wir uns anrühren lassen von den Lebensgeschichten anderer, wenn die Kinder im Klassenraum in Kampfgebrüll ausbrechen, wenn das Telefon niemals schweigt und das Herz nicht zur Ruhe kommt, wenn die Strecke zu weit erscheint und der Terminkalender schon jetzt zu voll, in der Examenszeit mit all der großen Aufregung, auf den Kanzeln, Kirchenbänken, Sofas und Küchenstühlen und selbst dann, wenn tatsächlich mal gar nichts zu tun ist.
Lasst uns auf diese Worte hören und von ihnen singen,
nicht nur, aber auch in diesem neuen Jahr.

Amen