Aus gegebenem Anlass VIII

Predigt zum Stadtfest 

Heute, am zweiten Tag unseres Stadtfestes und in den letzten paar Tagen vor den Sommerferien nehmen wir uns Zeit. Zeit, um im Trubel des Stadtfestes und am Ende dieses Schuljahres bewusst innezuhalten und Luft zu holen. Zeit für uns und auch Zeit für Gott soll es sein.

Der Sommer ist grundsätzlich, finde ich, die allerschönste Jahreszeit. Vor allem, wenn Sommerferien sind und man ohne Ablenkung durch Schule oder Arbeit das tolle Wetter genießen kann. Sofort fallen mir da traumhaft vergnügliche Unternehmungen ein: 

an einen See zum Baden fahren, sich mit Freundinnen und Freunden auf ein Eis treffen, spät abends ohne zu frieren Sonnenuntergänge bewundern oder unterm Rasensprenger Abkühlung finden und mit Glück einen Regenbogen zwischen den Wassertropfen entdecken. 

Euch fallen bestimmt noch viel mehr tolle Sachen ein, die man machen kann. 

Viele von euch fahren in den Ferien bestimmt auch weg, für ein paar Tage oder sogar Wochen. Vielleicht reist ihr sogar an Orte und in Länder, wo ihr vorher noch nicht wart, in Gegenden, die euch noch fremd und unvertraut sind. 

Reisen finde ich total spannend, denn es verändert die Welt und verändert auch uns Menschen. Unterwegs entdecken Menschen Orte, blicken über Horizonte, sie finden aber auch zueinander, lernen sich neu oder noch einmal anders kennen. Reisen setzt in Bewegung und stiftet Verbindung. Reisen verändert und tut gut darin. Dazu muss der Weg gar nicht unbedingt in exotische Weiten führen. Das Verändernde und Besondere kann uns genauso gut an unscheinbaren,  ja, sogar auch tristen, kargen Orten begegnen. Und manchmal – so Gott will – kann ein Mensch dabei einen Blick aufs Himmelreich erhaschen und wird reicher beschenkt, als er oder sie es sich hätte ausmalen können.

Wenn uns etwas Besonderes im Unwirtlichen geschenkt wird und wir es nicht erklären können haben wir es, glaube ich, mit Gott zu tun. Gemeinsam unterwegs an unwirtlichen Orten, das Gefühl hat auch Jakob. 

Jakob geht auf Reisen – aber nicht freiwillig. Er ist auf der Flucht, wie Millionen von Menschen heute. 

Doch Jakob treiben nicht etwa Krieg oder Naturkatastrophen von zuhause weg, er flieht aus anderen Gründen. Jakob kann sich nämlich zuhause bei seiner Familie nicht mehr sehen lassen. Er hat den Vater und seinen etwas älteren Zwillingsbruder Esau zu seinem eigenen Vorteil schlimm betrogen, schließlich ist alles aufgeflogen. Sein Bruder Esau ist so traurig und wütend, er droht ihm sogar mit dem Tod. 

Aus Todesangst flieht Jakob nun aus seiner alten Heimat. Er hat keine Zeit zum Packen,  kann keine günstige und schön gelegene Unterkunft bei Air-Bnb buchen – in seiner Not weiß er auch gar nicht wohin. Obdachlos und völlig alleine macht sich Jakob also auf den Weg ins Ungewisse, zu Fuß.  Es wird eine Reise, die für ihn und die Welt alles verändern wird.

Jakob läuft und rennt immer weiter, taumelnd und stolpernd. Das geht so bis die Sonne untergeht, die hereinbrechende Nacht zwingt ihn dazu innezuhalten und in all der Bewegung ruhig zu werden. 

Wenn in der Bibel geschrieben steht, die Sonne geht unter und die Nacht kommt, ist das ein Zeichen dafür, dass etwas Wichtiges passieren wird. Die Nacht ist nämlich die Zeit der besonderen Gottesbegegnung. 

Aber zunächst ist hier draußen nichts – keine Herberge, kein Haus – nicht mal ein Stall. Ein tatsächlich unwirtlicher und unschöner Ort für eine spontane Übernachtung, mitten in der Einöde zwischen den zwei Orten Beerscheba und Haran. Hier wird Jakob auf der blanken Erde unter freiem Himmel schlafen müssen, ungeschützt und unbequem. So legt er seinen Kopf auf einen Stein, um zu schlafen. 

In der Nacht träumt Jakob. Und genau an dieser öden Stelle, mitten im Nirgendwo, begegnet ihm Gott. 

Im Traum sieht er eine Verbindung von dem Ort, wo er liegt, bis in die höchsten Höhen, eine Art Rampe. Für das hebräische Wort, dass da im alten Text steht findet Martin Luther später eine schöne Übersetzung:  bei ihm sieht Jakob eine „Himmelsleiter“. Engel steigen daran auf und ab. An ihrem Ende steht Gott und spricht zu Jakob: 

„Siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dieses Land. Denn ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe“. 

Was für eine wunderbare Verheißung! Und das ausgerechnet in dieser Situation und an diesem Ort. 

Gott kann einem Menschen zu jedem Zeitpunkt und an jedem Ort begegnen, glaube ich. Ein Aufbruch ins Ungewisse, eine Reise zu unbekannten Orten und Ruhe können aber dabei helfen, offener für Gottes Gegenwart zu sein. So wie bei Jakob.

Gott sieht Jakob und lässt sich von ihm sehen und hören. Obwohl Jakob bisher nicht gerade durch positives Verhalten aufgefallen ist, Jakob hat viel Unrecht getan und sich selbst in eine absolut isolierte Situation gebracht. Ohne Familie, ohne Freundinnen und Freunde, alleine irgendwo draußen in der Wildnis. Fern von allem. Aber nicht zu fern für Gott.

Gott vermag es, auch hier zu wirken, Gutes zu bewirken. Denn er hat große Pläne für diesen Jakob, der einmal Israel heißen und der Erzvater eines ganzen, heiligen Volkes werden soll. 

Bis Gottes Verheißungen ganz Wirklichkeit werden, wird für Jakob jedoch eine lange Zeit vergehen und erst danach wird im biblischen Text wieder die Sonne aufgehen. 20 Jahre wird er fern der Heimat sein und dort schwer arbeiten und eine Familie gründen. 

Sein Traum von der Himmelsleiter an jenem unwirtlichen Ort wird ihm in alledem zur Zuversicht. Denn Jakob vertraut nun auf Gottes Worte. Darauf, dass er ihm versprochen hat eines Tages wieder heimzukehren und bis zu diesem Tag bei ihm zu sein. Das Vertrauen auf diese Verheißung beginnt für Jakob in jener Nacht an diesem fremden, scheinbar tristen Ort. Ab sofort hat Jakob einen Orientierungspunkt für sich, wie einen Kompass. Auf Gott und seine Zusagen kann er sich verlassen, komme was das wolle. Gott kann alles zum Guten wenden. Gott begleitet ihn auf seinem langen Weg nach Hause. Seine Reise ist behütet. 

In der Nacht handelt Gott. Am morgen darauf handelt nun Jakob. Mit dem Stein, auf dem er geschlafen hat errichtet er einen kleinen Altar für Gott und nennt die Stätte Bethel. Als Zeichen dafür, dass ihm dieser unscheinbare Ort zu einem besonderen, einem heiligen Ort geworden ist, an dem er Gott ihm ganz nahe war. 

Gott kann einem Menschen zu jedem Zeitpunkt und an jedem Ort begegnen, glaube ich. Ein Aufbruch ins Ungewisse oder eine Reise zu unbekannten Orten und ein paar ruhige Momente können uns aber dabei helfen, offener für Gottes Gegenwart zu sein und auf seine Verheißung für uns zu lauschen. 

Wenn nun manche von euch in den Urlaub fahren und sich in eine ungewohnte Umgebung begeben, kann es auch dort passieren, dass sich ein zunächst fremder oder schlichter Ort in einen ganz besonderen Ort verwandelt. Und vielleicht, so Gott will,  wird auch an jenen Orten sichtbar, was für das Auge sonst unsichtbar ist: dass Himmel und Erde verbunden sind und Gott uns mit seinen Engeln auf unseren Lebenswegen und Reisen behütet und beschützt. 

Und wenn ihr irgendwann, irgendwo in diesen Sommerferien besonders stark dieses wunderbare Gefühl habt, dann macht es doch wie Jakob und legt einen Stein an die Stelle, wo ihr Gott und seine Verheißung spüren konntet. Nehmt euch einen der kleinen, weißen Steine, die jetzt von unseren Konfis verteilt werden und nehmt ihn mit auf euren Reisen, egal ob nah oder fern und lasst ihn dort. Weil für uns alle gilt: „Siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dieses Land. Denn ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe“.

Amen

Liebe Lesende – habt es gut in diesen Sommerwochen! 🙂  Ich hab ab morgen für eine Weile Urlaub und fahre an die See, yay!

Love and blessings, eure ploetzlichpfarrerin.

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Campen für Christus

Bei einer Geburtstagsrunde in der letzten Woche wollte mir eine Dame ernsthaft weis machen, dass es der Gemeinde hier besorgniserregend schlecht gehe. Es seien heutzutage ja soo wenig Jungen und Mädchen in den Konfirmandenjahrgängen. In ihrem eigenen Jahrgang waren sie 100 Konfirmandinnen und Konfirmanden. Einhundert! Im Vergleich zu solchen Größenordnungen können Gruppen wie hier mit zehn bzw. vierzehn Jugendlichen schon miniklein aussehen. Wiederum verglichen mit der Lage auf dem platten Land sind die Zustände hier paradiesisch. In meinem letzten Jahr in der ersten Gemeinde hatte ich keine*n einzige*n Konfi. Vieles ist letztlich eine Frage der Perspektive. Gemeckert wird trotzdem immer. Da frage ich mich (frei nach Joey Tribbiani) why god, why??? Und warum sich die ewigen Nörgler*innen mit ihrem „früher war alles besser“ nicht selbst kräftig auf die Nerven gehen.

Mein Hippieonkel erinnerte mich letztens daran, dass ich einst Pfarrerin werden wollte, um mit Jugendlichen zu arbeiten. Jetzt ist das tatsächlich möglich. Und das hab ich nun davon (Ausschnitte des Wochenendes):

Die Konfis wollen vor den Ferien unbedingt noch etwas Tolles machen. Ich schlage vor: „Übernachten in der Kirche“ und erwarte begeisterte Zustimmung (sie fürchten sich). Sie wollen lieber Zelten im Kirchgarten. Na gut, auch ok (ob sie ahnen, dass das auch mal ein Friedhof war?). Wir haben Platz, eine Feuerstelle, und ein großes, an den Seiten offenes Festzelt, das schon steht und unter dem ein paar Leute schlafen können, wenn die mitgebrachten Zelte nicht reichen sollten.

Der Abend beginnt mit einem Taizégebet (sie singen ganz zauberhaft mit), dann Zeltaufbau, Spielen, Pizza und Lagerfeuer mit Stockbrot und Playlist-battle der Jugend und mit Fragen, die die jugendliche Welt bewegen: „Sara, kennst du die Ärzte?“ (die Frage tut schon ein bisschen weh) – „Was denkst du eigentlich, wie alt ich bin?!“, „Sara, kennst du Von wegen Lisbeth?“ – „Na klar. Da wär ich letztens fast zum Konzert gewesen“. Aber auch Geschichten aus dem Schulalltag, von Wahlfächern („Soll ich lieber Gender, Sexualität oder Homophobie belegen?“), Freundschaften und Müttern („Meine Mutter würde jetzt schon russische Lieder singen und tanzen“) und natürlich und bis in alle Ewigkeit das Werwolf -Spiel. Why god, why? Ob es eine Statistik gibt, wie viel Lebenszeit Menschen im kirchlichen Dienst im Schnitt mit den Werwölfen im Düsterwald verbringen müssen? Bestimmt sind es Wochen oder Monate. DAS ist besorgniserregend.

Gegen halb zwölf nachts lichtet sich die Runde. Einige spielen jetzt Wahrheit oder Pflicht. „Sara, spielst du mit?“ – „Nee, macht ich mal.“ Moritz muss mit seinen Socken Marshmallows essen; Lena jemandem auf der Straße frohe Weihnachten wünschen; Hanna erzählt ihre jüngste Lüge (zum Glück harmlos) und Karl muss drei Minuten Comedy (der Arme) machen. Ich lege ab und an Holz nach und freue mich, dass die Jugendlichen eine gute Zeit haben. Ab Mitternacht geht die Meute langsam schlafen. Ich lande mit unter dem Festzelt, zwei Isomatten, ein Schlafsack, eine gewisse Grundanspannung (was ist eigentlich, wenn uns hier wer besuchen kommt? Was war dieses Rascheln? Wie kann ein einzelnes Mädchen so unfassbar viel Krach machen? Man, Maxi! Warum brettern die Autos hier lang, als wären sie auf der Flucht? Oh, eine Nachtigall..) Vielleicht komme ich in dieser Nacht auf drei Stunden Schlaf.

Als die Vögel ihr Morgenkonzert beginnen, wache ich auf. Es ist eiskalt. Etwa eine Stunde versuche ich, wieder in den Schlaf zu finden, die Kinder liegen seelenruhig in ihren Schlafsäcken, beneidenswert. Dann reicht es mir und ich stehe fröstelnd und leise fluchend auf, mache mir einen Kaffee, setze mich in mein warmes Büro (Halleluja!) an den Schreibtisch und beginne, zu arbeiten. Vor sechs. Ein echtes Happening. Es werden äußerst produktive zwei Stunden. Ich schaffe es, den Ablauf für den Vorstellungsgottesdienst der großen Konfis hübsch aufzuschreiben, eine Liste der Teilnehmenden für die Konfifreizeit in den Sommerferien fertig auszufüllen und wegzuschicken und das Chaos in meinem Büro zu beseitigen. Danach geht es langsam aber beharrlich bergab. Ein Erkältungsbad und zweifaches Nachschlafen tagsüber können die garstige Erkältung (eine Nacht draußen, gleich krank, nix mehr gewöhnt, hmpft) nicht aufhalten.

Am Abend findet das große Sommerkonzert des Chores statt. Ich putze mir dabei so oft die Nase, dass eine Sängerin mich hinterher mitleidig anspricht („Allergie?“ „Konfis und Kirchgarten!“). Je später der Abend wird, desto dichter werden meine Ohren. Beim gemeinsamen Ausklang bei Wein und Kartoffelsalat verstehe ich irgendwann nur noch die Hälfte. Meinen Augen tränen auch. Man legt mir das als nonverbalen Aussage zum Game of thrones-Finale (fatal!Ahrgh!) aus, was nicht ganz falsch ist.

Zum Glück muss ich am nächsten Morgen in der Kirche nicht predigen, die großen Konfis machen den Gottesdienst selbstständig. Sie werden das gut machen, die Gemeinde wird sich angetan zeigen und ich werde darüber überrascht staunen und unendlich erleichtert sein (schließlich ist das die Gruppe mit den Jungs, die ich permanent gegen Wände klatschen will, aus guten Gründen). Zuhause werde ich dann erschöpft, aber zufrieden ins Bett fallen, mit lieben Menschen telefonieren und den blöden Schnupfen mit Humor nehmen: Erkältet für die frohe Botschaft, Krank für Konfis, Erkältet für Christus. Was man nicht alles macht…

Wolkig bis heiter

Kaum zu glauben, dass ich im August schon Einjähriges in der Gemeinde hier feiere. Fast fühlt sich an, als wäre es gestern gewesen, dass ich im Garten unter dem blühenden Apfelbaum in der Hängematte saß und mich in meinem Abschiedsschmerz von Paul Simons 50 ways to leave your lover trösten ließ.

Vielleicht liegt die gefühlte Aktualität auch daran, dass ich gerade am Montag wieder dort war für eine Beisetzung. Frau Welka war wenige Tage zuvor in ihrem Geburtshaus in Dorf A verstorben. Kurz nach Weihnachten hatte mich hier ein Brief erreicht mit der Bitte, sie auf ihrem letzten Weg zu begleiten. Der Krebs war zu diesem Zeitpunkt schon weit fortgeschritten, Chemo und Krankenhausaufenthalte kamen für sie nicht in Frage, sie wollte zuhause bleiben. Frau Welka war ein echtes Phänomen. Als ehemalige Leiterin der Post im Ort kannte sie alles und jeden. Ihre trockenen Kommentare beim Gemeindekreis ließen mich endlich begreifen, dass auch Seniorinnen und Senioren es faustdick hinter den Ohren haben können. Frau Welka hat zwei Söhne, von verschiedenen Vätern, die sie beide nicht geheiratet hat. Bis zu ihrem Tod trug sie ihren Mädchennamen und war stolz darauf. Eine taffe, liebenswürdige Frau.

So fuhr ich an meinem freien Tag mit meinem neuen gebrauchten Auto (so sauber! So gut in Schuss! So unauffällig! So nicht-Ulf, sondern …?) in die erste Gemeinde, traf meinen Bestatter („Hallo, meine Lieblingspfarrerin!“) und 110 Menschen, die sich auch mit Frau Welka verbunden fühlten. Bei den Erdwürfen sah ich die Männer und Frauen, die mir in den letzten Jahren so vertraut geworden sind und das Herz wurde mir ganz weich. Die Beziehung zu manchen Gemeindegliedern bleibt lebendig, auch wenn man schon eine ganze Weile woanders ist. Das ist eine wunderbare und beruhigende Erfahrung. Manches bleibt. Gott sei Dank.

Hinterher beim Kaffee gab es lange Umarmungen, das eine oder andere Gespräch („…und dann hab ich mir den Oberschenkel gebrochen“ „Wissen Sie, ein neuer Pfarrer kommt im Sommer!“ „Wir haben uns heute auf Sie gefreut!“), ein paar Tränen und fröhliche Erinnerungen an Frau Welka. Schon toll, was man als Pfarrerin so erleben darf.

Die Seniorinnen und Senioren hier sind ebenfalls äußerst unterhaltsam. Gestern, während ich das Zeug für die Andacht zusammensuche:

Frau Michel (die Dame mit der schweren Krebserkrankung, aber auf wundersame Weise noch immer quietschfidel) ist heute auf Freundlichkeit aus und geizt nicht mit Komplimenten. Sie schaut in die Runde, bleibt (ihr direkt gegenüber) bei Frau Lucke hängen und sagt „Gerda, du siehst heute so frühlingshaft aus!“ Gerda Lucke reagiert nicht. Sie hört sie nicht, weil neuerdings ihr Hörgerät auf der rechten Seite kaputt ist. „Gerda! Hörst du? Ich hab gesagt, du siehst heute so frühlingshaft…“ Gerda Lucke schaut interessiert in die andere Richtung. Frau Michel liegt ihre Charmeoffensive offenbar sehr am Herzen und ruft laut nun über den Tisch“GERDA! ICH WILL DIR ETWAS SAGEN!“. Frau Lucke wird von ihrer Nachbarin Frau Naue stupsend auf Frau Michel aufmerkam gemacht und dreht endlich den Kopf: „DU SIEHST HEUTE SO FRÜHLINGSHAFT AUS!!“ Frau L. lächelt geschmeichelt.

Kurz darauf blickt Frau Michel nach links zu unserem Ältesten, Hartmut Dieter, 91 Jahre alt, ehemaliger Lokführer, nah am Wasser gebaut, aber kräftig und mit wachem Blick für Weltgeschehen und Gesellschaft. Vor ein paar Jahren hat Hartmut Frau M. mit Blumen und Aufmerksamkeit überhäuft, aber Frau M. wollte nicht. Nun sagt sie zu Hartmut „Na Hartmut, heute siehst du ja gut aus! Ganz frisch! Bist du fröhlich?“ Hartmut hört sie, lacht brummend und schaut seinerseits an das andere Ende des Tisches zu Frau Naue, (der Nachbarin von Frau L.) und sagt „Ich schau ja immer zu dir rüber“. Aber auch Frau Naue hört schlecht und bekommt das Kompliment gar nicht mit. Wieder greift Frau M. ein und ruft so lange über den Tisch („Inge, Hartmut hat dir was zu sagen. Hartmut hat.. Inge! INGE!!!“), bis Inge Naue aufblickt und die Schmeichelei hört, aber kaum darauf reagiert. Frau M. scheint nun ihrerseits etwas für Ihren Nettigkeitsrausch zu erwarten und sinnt auf Informationen: „Inge, habt ihr etwa ein Verhältnis, du und Hartmut?“ Daraufhin sage ich belustigt-streng zu Frau M. „Na, Sie können ja Fragen stellen, so neugierig! Was ist denn heute los in dieser Runde?“ Mein Sitznachbar Günther R., vielleicht Mitte 60, stellt nüchtern fest: „Naja, ist halt Frühling. Sagt man doch so. Frühlingserwachen“. Ich könnte schwören, dass ich später, beim Aufräumen der Kaffeetafel auf Frau Naues Gesicht ein fast mädchenhaftes Lächeln gesehen habe. Flirten macht Sachen, die schön sind. Hier im Gemeindekreis geht jedenfalls so Einiges!

Und der Soundtrack dazu hat auch seine Hits:

Wie lieblich ist der Maien aus lauter Gottesgüt, des sich die Menschen freuen, weil alles grünt und blüht. Die Tier sieht man jetzt springen mit Lust auf grüner Weid, die Vöglein hört man singen, die loben Gott mit Freud.

Aus gegebenem Anlass VII

Predigt Karfreitag 2019

Am Anfang ist da eine sternklare Nacht mit einem Himmel, so offen und weit die Augen sehen können. Da sind auch Felder und Hirten mit ihren Schafen und ein zugiger Stall, mit pieksendem Stroh in einer Futterkrippe. Von Ferne klingt ein himmlisches Sausen, fast wie ein Singen, entrückt und jubelnd.

Das Neugeborene liegt in den Armen der Mutter, spürt die wärmende Haut, ihren Herzschlag. Kaum auf der Welt wird Jesus von Liebe umfangen. Ich stelle mir vor, wie Maria und Josef zärtlich mit dem Kleinen reden, wie er gestreichelt und liebkost wird, in Windeln gewickelt, gestillt.

Am Anfang seines Lebens ist Gottes Sohn in seiner Menschlichkeit anrührend, mit so kleinen Händen und Füßen mit winzigen Fingern und Zehen, mit Hunger und mit Durst und Bauchschmerzen – angewiesen auf die Fürsorge seiner Eltern. Ein schutzbedürftiges Kind mit einem Blick wie aus einer anderen Welt. Von Beginn an ist das Menschenkind Jesus in Gefahr sein Leben wieder zu verlieren – es braucht Frauen und Männer, die ihm helfen, Sterndeuter und Weise, Menschen, die ihm und seiner Familie auf der Flucht Obdach geben.

So wird es später erzählt und dann von einigen aufgeschrieben werden, damit niemand den Anfang seiner besonderen Geschichte vergisst. Den Anfang von Gott, der sich hinein in diese Welt wagt und mit ihr in Beziehung geht, sich berühren lässt und berührt. Eine Geburt ins Ungewisse und Riskante. In seiner Abhängigkeit und Bedürftigkeit ist dieser Beginn fast schmerzlich finde ich. Gottes Sohn ist Mensch geboren.

Am Ende ist Jesus ein Mensch, der einen gewaltvollen Tod stirbt. Unter einem Himmel, von dem im Evangelium nach Johannes nichts weiter berichtet wird. Es ist der Tag vor dem Passahfest, die Sterne sind lange schon verblasst. Ich stelle mir eine erstickte Stille vor, Ohnmacht legt sich schwer auf Brust und Herz, schon beim Gedanken daran. Links und rechts von ihm zwei andere Sterbende. Gefoltert. In ihrem Leid zur Schau gestellt, an Kreuzen in der Höhe auf einen Hügel nahe der Stadt. Die letzten lebendigen Stunden werden zur Qual. Unten sind Soldaten die um seine Kleider spielen. Oben ist ein Schild an seinem Kreuz, mit einer Botschaft für die ganze Welt – Jesus von Nazareth, der Juden König. Pilatus ahnt nicht, wie weltbewegend das Geschehen tatsächlich ist. Wie viele Menschen von diesem Tag und den Tagen danach erzählen werden, aber noch ist es nicht so weit.

Vor allem aber sind da Menschen in seiner Nähe, die Jesus liebt. Seine Mutter und deren Schwester, dann seine Freundin und Wegbegleiterin Maria von Magdalena und sein engster Freund, der Lieblingsjünger. Jesus ist nicht allein, als seine Kräfte immer mehr schwinden. Liebe umfängt ihn auch jetzt, am Ende. Und aus Liebe handelt er, ein letztes Mal: Jesus verweist seine Mutter in die Obhut des Freundes, er will diejenigen versorgt wissen, an denen sein Herz hängt. Ein weiteres menschliches Bedürfnis überkommt ihn, er hat Durst, bittet um etwas zu trinken, nimmt davon und spricht seine letzten Worte: Es ist vollbracht. Dann neigt Jesus, der Sohn Gottes sein Haupt und verstirbt. Es ist vollbracht.

Dazwischen, zwischen Anfang und Ende schillert und pulsiert das Leben des Gottessohnes, farbenprächtig wie ein Regenbogen, aufgespannt in sämtliche Richtungen – in die Höhe und Weite, mitten ins Herz und in die Tiefe. Was immer auch in den Erzählungen von und über Jesus geschieht, es vollzieht sich in der Begegnung mit Menschen. Besonders in der jüngsten Perspektive auf den Gottessohn, die von Johannes aufgeschrieben wurde.

Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. Jesus kannte die Tora, natürlich. Jesus erfuhr aber auch das Geschenk einer liebevollen Familie, von Freundinnen und Freunden, Wegbegleitern und weltverändernden Begegnungen. Gottes Wort hat er so mit Leben gefühlt.

Er hat aber auch Gottes Wort mit Leben gefüllt. Er berührte und heilte, trank und aß, lachte und weinte, lehrte und stritt, wunderte sich und verwunderte andere, Jesus konnte rauschende Feste feiern, aber auch für sich alleine sein. Gottes Sohn als Mensch unter Menschen. 4 Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

Viel Leben und viel Lieben, das sich vom Anfang bis zu seinem Ende durchzieht. In seinem Leben auf Erden begrenzt, in seinem Lieben jedoch nicht.  Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde. Das sind Jesu Worte. Er wusste, was kommt und ging seinen Weg bewusst und aufrecht, wortmächtig bis zu seinen letzten, qualvollen Atemzügen.

Jesus von Nazareth – Gottes Sohn ist als Mensch geboren und schließlich auch als Mensch gestorben. Wie die beiden Hingerichteten neben ihm. Wie zahllose andere Opfer menschlicher Gewalt davor und danach. In der johanneischen Fassung der Passionsgeschichte gibt es kein himmlisches Spektakel, die Sonne verdunkelt sich nicht, kein Vorhang zerreißt, die Erde tut sich nicht auf – ein Mensch stirbt, die Welt dreht sich weiter, scheinbar unberührt.

Es ist vollbracht.

Eine Lebensgeschichte mit einem Anfang, einem Lebensweg und einem Ende – einerseits zutiefst menschlich. Gleichzeitig aber tritt Jesus fast über den Dingen schwebend auf, schon Richtung Himmel entrückt, noch bevor die Zeit dafür gekommen ist.

Bei Johannes schillert Jesus schon im Licht der Morgensonne des 3. Tages, noch bevor die Nacht überhaupt hereingebrochen ist. Er strahlt als Licht, das die Dunkelheit überwunden hat, von seinem ersten Tag an. Anfang, das Dazwischen und Ende vermischen sich im vierten Evangelium, alles ist miteinander verbunden und setzt sich gegenseitig in Bewegung, kontrastiert sich, wechselt sich ab.

Jesus selbst trägt dabei sowohl menschliche als auch göttliche Züge. Beides begegnet sich in ihm in dem Gefühl, das Gott mit den Menschen verbindet und teilt: in der Liebe.
Gelebte Liebe und schließlich auch gestorbene Liebe. Für seine Freunde. Für die Menschen, für Gottes Schöpfung. Für alle, die unter Ohnmacht und Gewalt und der Unbarmherzigkeit des Todes leiden. Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. Auch nicht in der Einsamkeit des Sterbens und der Verlassenheit des Todes.

Dort, an diesem Kreuz auf dem Hügel Golgatha stirbt Gott selbst im Menschen Jesus einen qualvollen Tod. Auch dieses brutale Ende gehört zu seinem Leben dazu. Es folgt kein Aufbegehren, keine Gegengewalt. Niemand kommt und rettet Jesus. Sein Stillhalten, seine wissende Ohnmacht sind schwer auszuhalten, finde ich. Dieser wunderzarte Anfang bei Bethlehem und dieses farbenprächtige und bedeutsame Leben verlangen eigentlich ein ganz anderes Ende.

Mir fällt es unheimlich schwer, Jesus auf diese Art gehen zu lassen. Das Geschehen auf Golgatha reißt Untiefen auf, es tut weh. Jemanden gehen zu lassen, ist schwer. Maria, Jesus Mutter und ihre Schwester, Maria von Magdalena und der Lieblingsjünger konnten Jesus loslassen im Vertrauen darauf, dass es eines Tages gut werden würde. Sie waren da, mit all ihrer Liebe, bis zum Schluss. Ihre Herzen waren weit genug dafür.

Liebe ist stärker als der Tod. Sie verwandelt das Ende in einen Anfang.

Gott ist uns seit Jesus nahe in allem was menschlich ist. Im Hunger und im Durst, in Trauer und Schmerz, Freude und Lust – und ja, auch in der mitunter bedrückenden Stille, die sich an Karfreitag um uns breitet. Vielleicht hören wir, wenn wir ganz ruhig werden, aus der Ferne ein leises, sanftes Säuseln.

Amen

Chronik einer Konfifreizeit

Donnerstag, 28.03. 2019, 10.30 Uhr

Ich sitze am Schreibtisch im Arbeitszimmer und versuche, etwas Platz zu schaffen. So viel Chaos! Die Traueragende kann jetzt weg, das Gottesdienstmäppchen und die Liederbücher auch. Morgen geht es zur ersten Konfifreizeit in der neuen Gemeinde und noch bin ich ziemlich planlos. Vier Trauergespräche innerhalb einer Woche und zwei Beisetzungen haben mich neben dem üblichen Krams (Gottesdienst, Seniorenkreis, Kita-Andacht, Konvent, Supervision, Geburtstagskaffee und Besuche, Büro) voll in Anspruch genommen. Aber jetzt: 19 Konfis, zwei Teamerinnen und zwei Hauptamtliche (ein Diakon und ich) für drei Tage auf dem Land (wohin sonst?) zum Thema Gottesdienst und Gebet. Langsam entsteht eine Tabelle mit Zeiten, Räumen, Menschen und Inhalten. Außerdem eine Liste mit Dingen, an die ich denken muss. Ganz schön viel. Zum Glück hat Rahel mich mit schlauen Ideen und Material versorgt. Endlich komme ich jetzt dazu, ihre Mails zu lesen und Anhänge zu öffnen. Die nächsten Stunden verbringe ich mit Ausdrucken, Abheften und Sortieren. Bücher und Ordner stapeln sich auf dem Schreibtisch, hektisch bastele ich am Laptop Arbeitsblätter zusammen. Sie sind nicht wirklich schön, aber immerhin mit Löwenzahn-Bildchen. Am Nachmittag sind in der Gemeinde noch Termine, erst abends wird die Tabelle endlich fertig und ich schicke sie dem Kollegen.

Freitag, 29. 03. 08.35 Uhr

Rahel ruft an, ich bin verzweifelt. Wie geht es dir? – Grauenvoll, ich bin so müde, als wär hätte ich die Fahrt schon hinter mir. Was is das denn für ein mieser Start? Und wie hast du das dann gemacht mit den Bildern und den Konfis? Und dem Buch? Warum kommst du nicht einfach mit? Diese Fahrt macht mich echt nervös. Ob die beiden Gruppen miteinander können? Ob ich das Mietauto finden und fahren kann? Ob die Vorbereitung reicht? Ob ich permanent ausrasten und pubertierende Jugendliche an Wände klatschen werde? Ob die Wahl des Ortes wirklich ok war?

12.30 Uhr

Im Gemeindebüro hat der Kopierer Papierstau. Natürlich. Schon zum zweiten Mal. Ich fluche und pöbele also laut herum, zum Glück ist die Sekretärin erst heut nachmittag da. Nebenbei laminiere ich bunte Bilder mit betenden Menschen, packe Kisten mit Liederbüchern, Bibeln, Heftern, Kerzen, Teelichthaltern, Stiften, Papier und Kissen. All das Gerümpel schleppe ich schimpfend Stück für Stück ins unfassbar große und schicke Mietauto, das einen Gang mehr hat als Ulf, aufregend.. Als Dankeschön von einer Beisetzung steht in meinem Büro (noch in Folie eingepackt) ein riesiger Blumenstrauß. Ich denke an die gestaltete Mitte und packe ihn noch schnell dazu.

16.00 Uhr

Etwas zittrig komme ich beim Freizeitheim an. Die Fahrt war ziemlich rough, wütende Autofahrer, viele Baustellen, ein Unfall, der ominöse sechste Gang und ständig machte das Diensthandy Geräusche aus dem Rucksack. Erst jetzt kann ich den AB abhören und die Nachrichten lesen – ein Stau lässt den Rest der Gruppe zu spät kommen. Ist ok, so haben Lars (der Diakon) und ich mehr Zeit für die Feinplanung. Lars ist Freizeit-erfahren, ich bin froh, dass er mitkommt und auch schon da ist. Als erstes zeigt er mir seinen lädierten Arm („schwer tragen kann ich nicht“), na super. Ich überlege mir eine geschickte Zimmeraufteilung. Ans eine Ende des Flures die Hauptamtlichen, ans andere Ende die Teamerinnen. Die bekloppten Jungs (verdammte Pubertät! Verdammte Gruppendynamik!) direkt bei mir gegenüber, dann ist der Weg nachts kürzer. Eine weise Entscheidung, mit der ich mir gekonnt ins eigene Fleisch schneide. Außerdem suche ich eine Vase und gebe den Blumen Wasser, ich finde eine Karte mit Gruß und mehreren hundert Euro, krass viel Geld. Die hätten auch gut in der Gemeinde bleiben können, oh je.

20.00 Uhr

Konfis springen wie Toastbrote in die Luft, mimen Waschmaschinen und schmachten James Bond an. Vorher haben sie schon die Evolution von Amöben zu Kakerlaken zu Affen und Menschen ausgefochten. Gelächter und Freude erfüllen den Raum, alle machen mit. Das Spielen macht Spaß, mir auch. Erste Zufriedenheit.

20.45 Uhr

Taizégebet: die Kerzen leuchten, wir sitzen auf dem Boden (zum Glück hab ich an die Kissen gedacht) und singen. Die bekloppten Jungs sitzen mir gegenüber und werden von Kicheranfällen geschüttelt. Manchmal singen sie hoch und schief mit. Ich werde so wütend, dass es für eine Taizéandacht wirklich nicht angemessen ist und schimpfe mittellaut. Beim Spieleabend danach erfreut man sich u.a. auch an den Werwölfen im Düsterwald, manche Dinge ändern sich wohl nie.

Samstag, 00.04 Uhr

Jetzt ist es wohl ok, Schlafsachen anzuziehen. Warum habe ich eigentlich die Oropax vergessen? Und Alter, Lars schnarcht ja unglaublich laut, das hört man durch die Wand! Und er spricht im Schlaf! Und singt! So laut! Und dieses Bett wackelt. Oh no, eine Mädchenstimme kreischt hinten. Also nochmal raus.

2.30 Uhr

Die bekloppten Jungs machen Krach. Mein Menschenhasser-Level steigt bedrohlich. Warum hört Lars das eigentlich nicht? Barfuß klopfe ich wütend an die Tür der Rabauken und fordere Ruhe. Als ich wieder im Bett bin, sind die Jungs zwar endlich leiser, dafür höre ich Lars umso lauter. Ich packe mein Bettzeug und ziehe in ein Bett auf der anderen Zimmerseite (insgesamt habe ich drei zur Auswahl). Eben hab ich mich so aufgeregt, dass ich jetzt nicht schlafen kann, so ein Scheiß. Und ich war doch schon morgens so müde. Wie soll ich das denn noch zwei Tage aushalten? Ulkige Gedanken kommen. Hab ich eigentlich genug Wäsche eingepackt? Wo bekomme ich morgen zur Not noch was gekauft? Ich brauch auch dringen Oropax! Lass ich morgen die bekloppten Jungs von ihren Eltern abholen? Oder geb ich ihnen noch eine Chance? Wieviele Chancen sind gerechtfertigt? Welche Form von Kirchenzucht könnte vielleicht doch Früchte tragen? Gaaaarh.

10.00 Uhr

Die Gruppe ist unfassbar müde. Die Toasts wollen nicht springen, und die Waschmachinen drehen kaum. Dafür sind sie insgesamt ruhiger. Sogar die bekloppten Jungs, wenigstens ein Vorteil dieser fiesen Nacht. Ich bin ziemlich grumpy, Lars ist besser drauf als ich (kein Wunder) und erklärt mit viel Liebe zum Detail die Geschichte des Gottesdienstes. Ein paar hängen schlaff auf ihren Stühlen, andere hören tatsächlich zu. Ich (in übrigens frischer Wäsche) versuche, interessiert zu gucken und nicht zu müde zu wirken.

12.15 Uhr

Meine improvisierten Arbeitsblätter zum Weg des Gottesdienstes („Du kannst echt nicht kopieren, Sara!“) haben es den Kleingruppen schwer gemacht. Nach ein bisschen Erklären ging es aber gut und die Gruppen präsentieren nun ihre Ergebnisse. Ich lausche andächtig, denn die haben sich wirklich Gedanken gemacht. U.a. mögen sie Gebetsstille und die Musik (ha!). Sie können Predigt genießen und daraus etwas mitnehmen. Bei den Lesungen ist es für sie schwieriger, sich mitgenommen zu fühlen. Einer der bekloppten Jungs hat einen Löwenzahn auf ein Plakat gemalt, na immerhin waren die für etwas gut.

15.00 Uhr

Guck an, ohne zu murren läuft die Gruppe bei herrlichem Sonnenschein fast 40 Minuten in die benachbarte Kirche, um dort etwas Kirchenraumpädagogik zu machen. Lars und ich sind die Letzten, auch weil wir die Langsamsten sind. Die Stimmung ist gut. Wenn das jetzt in der Kirche läuft, geb ich ein Eis aus.

20.20 Uhr

In Workshops haben die Jugendlichen nach dem Ausflug mit anschließendem Eis einen Gottesdienst zusammengebastelt, komplett mit Liedern, Anspiel, Gebeten, Predigt, Moderation und Ideen für die Raumgestaltung. Die Teamerinnen, Lars und ich staunen: das könnte morgen, wenn die Eltern zum Gottesdienst hierher kommen, richtig, richtig gut werden.

21.20 Uhr

Nachtwanderung. Dunkel. Hysterisches Gegacker. Die Sterne funkeln sehen. Sich durch einen Parcours helfen. Nach sieben Minuten wieder im Haus, kürzeste Nachtwanderung der Welt, trotzdem ok.

Sonntag, 00.30 Uhr

DIESE VERDAMMTEN IDIOTEN! Die rufen und poltern durch den Flur, als ob es kein Morgen gäbe. Dabei ist da doch Gottesdienst! Gehört, auch noch durch die Oropax, die Lars zum Glück für mich noch übrig hatte. Ich stürme rüber, reiße die Tür auf und beschwere mich lauthals. Gott sei Dank ist diese Freizeit morgen vorbei. Immerhin macht hier keiner Quatsch mit Alkohol oder Rauchen und bisher musste niemand in die Notaufnahme, aber trotzdem. Diese Nächte, diese Unruhe und die Verantwortung, puh.

10.59 Uhr

Die Glocken draußen läuten (machen Konfis), der Raum ist mit Eltern und Geschwistern gut gefüllt. An der Wand ein gebasteltes Kreuz aus Holz, die Bilder der Betenden. auf den Tischen an der Seite leuchten Kerzen, auf dem Altar sind die Blumen, eine Bibel, eine große Kerze und der kleine Gesprächslöwe. Ich sitze am Klavier, gleich geht es mit dem Vorspiel los. Ein bisschen nervös bin ich schon, aber auch optimistisch. Die werden das schon gut machen, die jungen Leute. In mir macht sich schon jetzt Dankbarkeit breit, die Feedbackrunde vorhin ist ganz positiv ausgefallen („gute Zeit, tolle Gruppe, gute Raumaufteilung, was gelernt, Essen ok“). Ich spiele die ersten Töne von Bless the Lord und groove mich langsam ein. Mal einfach so Musik machen ist auch toll. Das Klavierspielen macht Spaß. Dann treten der Moderatoren auf und die Jugend übernimmt das Wort. Und es wird wirklich gut.

16.00 Uhr

Ich warte müde auf den Bus, der mich nach Hause bringt. Das Auto ist abgegeben, Lars und ich haben vorhin Kisten und Gedöns zusammen (das ist so viel einfacher!) ins Gemeindehaus gebracht, endlich ist Feierabend. Was für ein Glück und Segen, dass diese Fahrt so gut gelaufen ist! Dass sogar die bekloppten Jungs ihre gegenwärtigen Momente hatten, dass die Andachten dicht und stimmig waren, die Jugendlichen beim Singen mit den Füßen mitgewippt haben und dass trotz allem Schlafmangel und allem Unmut immer noch irgendwoher Energiereserven angekrochen kamen und das eine oder andere Glücksgefühl. Tatsächlich, schön wars.

Immer noch Neuanfang

Vor einer Woche feierten wir in der Gemeinde einen Familiengottesdienst zum Weltgebetstag. Mit gedeckter Tafel in der Kirche, Aktionen vom KiGo-Team, einem ausgeliehenem Beamer (ich hab es immer noch nicht geschafft, den kaputten reparieren zu lassen, ups) und sogar auch ein paar Kindern. Ich war fein raus und habe „nur“ gepredigt, den Rest hat das Team übernommen – das ist vielleicht ein Luxus! Trotzdem wollte an dem Sonntag nicht so richtig Stimmung aufkommen, was auch daran gelegen haben wird, dass die Wochen davor ganz schön arbeitsintensiv und die Tage vor Sonntag nervenaufreibend, aber auch erkenntnisreich waren.

So eine Gemeinde ist ja ein vielfältiger Haufen, der sich zu Teilen gerne mal aufführt wie ein Irrenhaus, unabhängig von Alter, Familienstand und Bildung. Ich schrieb hier schon davon, dass es Rumorereien unter den „älteren Frauen“ gab, weil ich manche Menschen zur Begrüßung umarme. Neuerdings nimmt die Fraktion der nicht klar definierten besorgten Damen angeblich Anstoß an meinen Segensworten. Den Segen spreche ich inklusiv (Gott segne…Gott lasse ihr Angesicht..Gott lasse sein Angesicht…). Das passt manchen nicht: Ist ja auch anders als in der Bibel, wie die Neue das macht. Und anders, als ihr Vorgänger das gemacht hat. Und anders, als die anderen Pfarrerinnen und Pfarrer die wir kennen. Also gilt und wirkt der am Ende nicht. Um Himmels Willen!!!!!! Man könnte natürlich mit der Pfarrerin darüber reden, aber am Ende würde sie verständnisvoll zuhören und unsere Sorgen ernst nehmen und vielleicht sogar noch angemessen darauf reagieren und vielleicht würden wir dabei auch noch unseren Horizont erweitern, omg – das kann doch nun wirklich niemand wollen und von uns verlangen.

Und obwohl es mir hier sonst auf vielen Ebenen richtig gut geht und es nur eine diffuse Handvoll Menschen von über 2000 Gemeindegliedern ist, die sich offensichtlich gerade in der Regression befindet, war ich letzten Sonntag in recht verdrießlicher Stimmung und kaute auf meinen Gedanken herum: Es ist hier eben doch immer noch ein Neuanfang für alle Beteiligten. Reibung passiert, Abgrenzung auch und ebenso kommt es zu Befindlichkeiten und manchen Enttäuschungen. Wahrscheinlich ist das alles total im Rahmen, aber das macht es nicht weniger nervig. Erstaunlich, wie sehr eine vergleichsweise kleine Episode einem die Stimmung versauen kann. Und warum gibt es in der Stadt ältere Frauen, die scheinbar so gar nicht auf mich klarkommen? Und wo waren die auf dem Land? Oder hab ich die einfach nicht bemerkt oder gekonnt verdrängt? Die machen mich noch alle ganz wahnsinnig! Meine Verdrießlichkeit begann gerade sich in einen mittleren Menschenhass-Anfall zu steigern, als eine SMS aus meiner alten Gemeinde kam und mich anders aktivierte. „Liebe Frau Hitschmock, meine Mutter liegt im Sterben. Könnten Sie die Beisetzung machen? Es kennt sie sonst ja niemand. Ihre traurige C. B.“

Als ich vom Gottesdienst zuhause ankomme, rufe ich bei ihr an. Ihre Stimme hab ich so oft gehört, ich kenne ihr Lachen, aber nicht ihr Weinen. Kurz darauf fahre ich mit einem blauen Autochen namens Jerry (geliehen von Freunden) in meine alte Gemeinde und hoffe, dass die Mutter von Frau B. noch etwas durchhält. Eine Beisetzung in den kommenden Tagen schaffe ich nicht, aber eine Andacht zur Begleitung heute, das geht. Während ich fahre, werden mir die Straßen langsam vertrauter wird und die Landschaft scheint mich mich liebevoll in ihre weiten Arme zu nehmen. Und ich staune: das gibt es ja auch noch alles. Es fühlt sich an wie Luftholen nach einer langen Atempause.

Bei Frau B. hat sich in der Küche eine kleine Gemeinde für die Andacht zusammen gefunden, Nachbarinnen, Freundinnen – man kennt sich und hilft sich, auch jetzt. Ich kenne alle. Es ist ein herzliches Wiedersehen, ich werde auf den neuesten Stand gebracht (eventuell bald ein Nachfolger!) und erzähle von mir und wieder staune ich: das ist ja alles noch da. Die sind alle noch da. Gott sei Dank. Wir haben öfter hier in ihrem Haus oder im Hof gesessen, bei Kaffee und Kuchen und belegten Broten. Ganz früher hab ich mit Frau B. auch mal genüsslich Zigaretten geteilt, ach hach. Heute steht auf dem Küchentisch ein Teller mit Käse – und Schinkenschnittchen und kleinen sauren Gurken. Ich bin gerührt, dankbar und auch wirklich hungrig.

Die Mutter von Frau B. liegt im Zimmer nebenan, die Tür ist weit offen, wir hören sie atmen, etwas unruhig, aber regelmäßig. Manchmal lacht sie leise. Sie ist eine sanftmütige und liebevolle Sterbende, scheint gelöst, fast fröhlich. Obwohl sie schon sehr schwach (und auch dement) ist, kann sie bei „Lobe den Herren den mächtigen König“ einstimmen, sie betet das Vater Unser mit großen, wachen Augen mit und lässt sich mit duftendem Salböl segnen. Beim Abschied sage ich: Ich habe mich sehr gefreut, Sie wiederzusehen! Und sie antwortete mit hellem Blick: Ich mich auch!

Frau B. und ich umarmen uns kräftig als ich mich wieder auf den Weg nach Hause mache. Ich fahre erschöpft, aber beschenkt zurück. Wer hätte gedacht, dass aus so viel Verdrießlichkeit und Grummelei noch etwas so Wunderbares wachsen könnte? Und dann bleibt am Ende: so viel Liebe.

Momente für die Ewigkeit III

Samstagabend letzte Woche, gegen 22 Uhr. Vor einer Stunde bin ich heimgekommen von einem Familiengeburtstag. Zum ersten Mal bin ich nicht mit Ulf, sondern mit einem geliehenem Auto (sehr neu, sehr sauber, sehr nicht-Ulf) unterwegs gewesen, was aufregend war. Dass man Autos über Fotos mit dem Smartphone öffnen und wieder abschließen kann, erscheint mir irgendwie übersinnlich.

Samstage sind, wenn ich sonntags Dienst hab, stets von einer gewissen Unruhe durchzogen. Predigt und Liturgie sind dann zwar meistens grob fertig, aber oft fehlen noch Fürbitten und einzelne Gebete. Außerdem lese ich mir alles noch einmal durch und schraube hier und da noch an ein paar Formulierungen. Das braucht dann noch ein bisschen Zeit und Mühe, dann kann ich alles ausdrucken und in mein schwarzes Mäppchen heften.

Vorgestern war ich mit zwei Freundinnen unterwegs die sich für einen kurzen Moment darüber unterhielten, dass sie ihre Drucker eigentlich nie mehr benutzten. Höchstens für Bahnreisen oder mal ein Konzertticket. Ich hingegen brauche meinen Drucker ständig, all die Ansprachen und Andachten und was nicht alles. Nach dem Umzug musste ich ein neues Exemplar kaufen, das zwar schick weiß, aber irgendwie etwas eigensinnig ist. Ständig piepst und ruckelt was oder es behauptet, es könne kein amerikanisches Papierformat. Autos können Technik offensichtlich besser als Drucker.

An einem typischen Samstagabend habe ich außerdem immer die klamme Befürchtung, dass ich ein Gedenken vergessen könnte und dann eine Trauerfamilie erwartungsvoll und mitgenommen in den Bänken sitzt, und ich die verstorbene Person vergesse abzukündigen. Nicht schön. Also schau ich lieber doppelt durch meine Unterlagen (Name richtig? Geburts – und Sterbedatum korrekt? Was war noch mal der Bibelspruch?) und erst dann bin ich beruhigt. In der neuen Gemeinde gibt es zudem immer eine Lektorin oder einen Lektor (Luxus!). Seit der Perikopenrevision herrscht etwas Verwirrung über Abläufe der Lesungen, also drucke ich zur Sicherheit die Texte für die Lesenden noch einmal aus, damit alle orientiert sind. Dann schreibe ich noch die Lieder auf einen Zettel (wobei ich mich fast am Meisten konzentrieren muss, denn meine Handschrift neigt zum Chaos), damit jemand am nächsten Morgen vor dem Gottesdienst die Liednummern an die Liedertafeln stecken kann.

Letzte Woche ich also: müde und erschöpft von den Autofahrten endlich am Schreibtisch. Ich drucke Liturgie aus (inklusive richtiger Daten der verstorbenen Frau H. und mit eben noch formulierten Gebeten), drucke Predigt aus, Blätter fliegen mit hohem Schwung durch das Arbeitszimmer (Halterung am neuen Drucker vergessen auszuklappen, mööp), ich hefte alles ein. Die Katze tapst erwartungsfroh über den Schreibtisch, nagt am Bildschirm (Chrrr!Chrrr) und verteilt großzügig Katzenhaare. Dann die Lesungen für die Lektorin , die kommt in den großen, roten Papphefter (den ich seit 15 Jahren, den Tag meiner Immatrikulation an der Uni, eigentlich den Eltern einer Freundin zurückgeben wollte) zu dem Zettel mit den Liedern, dann falle ich ins Bett mit dem guten Gefühl, an alles gedacht zu haben.

Sonntagmorgen, gegen halb elf. Ich stehe am Pult und blicke in den vollen Gemeindesaal. Hinten sitzt die Trauerfamilie von Frau H., einige aus dem Presbyterium sind da, gleich drei Pfarrer im Ruhestand, teilweise mit Ehefrauen, insgesamt um die 40 Leute (riesen Luxus!!). Der Organist, der heute Klavier spielt, setzt sich auf meinen freigewordenen Stuhl, es kann losgehen mit der Predigt.

Ich lese ab, aber gucke dazwischen immer mal wieder hoch, lasse Pausen. Der Einstieg um die Kitakinder und um Dankbarkeit macht Spaß. Bei meinem Vorschlag, statt shitstorms lovestorms in die Welt zu setzen wird zustimmend gelacht. Der Übergang zum Predigttext ( der Anfang des ersten Korintherbriefes) läuft, Verlesung des Textes auch, ich blättere um und vor mir sehe ich: den Schlussteil der Predigt. Aber der ist jetzt noch gar nicht dran. Ich blättere nach vorne und nach hinten, aber, der zweiseitige Hauptteil um Paulus fehlt. Und der war so schön! Wah! Ich blicke in die Gemeinde (ernste Gesichter) und versuche ein paar Sekunden lang, einfach weiterzureden (the show must go on), aber ich hab total den Faden verloren und ich vermute, man sieht mir meine Verwirrung auch an und manche gucken etwas besorgt und was ich sage, ergibt zudem leider auch nicht viel Sinn. Da hilft nur Ehrlichkeit:

Ja, liebe Gemeinde. Wie es aussieht, fehlt mir heute ein Teil meiner Predigt. Das ist jetzt etwas…Hmmm, ok, geben Sie mir einen Moment, ich krieg meine Gedanken hoffentlich noch zusammen. Es folgen einige, äußerst angespannte Momente der Stille. Ich versuche mich mit aller Kraft zu erinnern (wenn ich wenigstens Stichpunkte hätte! Und warum hab ich mir vorher nicht nochmal alles durchgelesen?! Crap!), dann fällt mein eigener Bogen wieder ein (ha!). Gnade im Griechischen, die Bedeutungen von Charis, dann zum bekannten Bild vom Leib mit den vielen Gliedern über die Gemeindegespräche zur Jahreslosung (innerer Frieden wirkt äußeren Frieden, auch über Dankbarkeit) und den Schlussteil hab ich dann ja wieder in Schriftform.

Während ich aus Versehen frei predige (was ich, mit guter Vorbereitung – wenigstens Stichpunkte!-, durchaus auch gerne öfter machen würde), gestikuliere ich, um meine Gedanken verständlicher zu machen. Die Gemeinde folgt mit den Augen meinen Bewegungen, ein Pfarrer nickt nachdenklich, mit zusammen gekniffenen Augen. Ich glaube, alle in diesem Raum geben sich gerade richtig viel Mühe. Und mir ist unheimlich heiß. Ich freue mich über jeden klaren Gedanken, den ich fassen kann und der mit der Predigt und ihrer Aussage zu tun hat. Im Schlussteil angekommen, entspanne ich mich etwas, aber es ist auch plötzlich komisch, den Blick ins Mäppchen zu senken und nicht mehr in die Gesichter der Gemeinde schauen zu können. Das ist ein neues Gefühl.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, Amen. Erleichterung rollt durch den Raum wie eine kleine Lawine, jemand vorne links beginnt zu klatschen. Ich muss lachen und gleichzeitig den Kopf schütteln, über meine eigene Schusseligkeit, aus Verlegenheit und aus Glück (Gott sei Dank!), dass es jetzt doch noch irgendwie geklappt hat. Das war Gnade in Reinform, puh. Die Gemeinde freut sich mit mir und auch das tut gut. Per Mail schreibt jemand einen Tag später: Vielleicht ist es sogar gut, wenn Sie ab und an Ihr Manuskript zuhause lassen?

Als ich nach dem Gottesdienst erschöpft, aber zufrieden nach Hause komme und meine Sachen ins Arbeitszimmer bringe, entdecke ich auf dem Fußboden vor einem Regal die fehlenden Seiten. Die sind aber weit geweht worden, da habe ich beim Aufsammeln gestern gar nicht hingeschaut! Ich überfliege meinen Text und stelle beruhigt und nochmal anders erleichtert fest, dass ich das Meiste tatsächlich gesagt hab. Was für eine Aufregung! Jeden Sonntag würde ich das nicht aushalten, aber wer weiß, vielleicht wirklich ab und an?