Viva la Reformation

Ein paar Entwürfe für Blogbeiträge schlummern schon seit längerer Zeit mehr oder weniger beachtet im hiesigen Archiv. Einer handelt vom Reformationsgottesdienst im letzten Jahr. Ich weiß noch gut, wie überrascht ich an diesem Tag war. Eigentlich war bis zu diesem Gottesdienst nämlich alles maximal blöd gelaufen, der Predigttext sagte mir beunruhigend wenig, Rahel konnte aus irgendeinem Grund nicht gegenlesen (oder ich war einfach zu spät fertig), das Wetter war hässlich grau  und ich hatte insgesamt überhaupt keine rechte Lust auf Reformationstag und Paulus und Luther.

Als ich dann zum ersten Mal im wehendem Talar vor der winzigen, kleinen Backsteinkirche in Dorf H stand und nach und nach die Gemeindeglieder eintrudeln sah, da hatte ich einen besonderen Moment. Es war, als hätte sich in mir irgendetwas zurechtgeruckelt und geöffnet, plötzlich war da etwas wärmer als vorher und ich dachte verwundert zufrieden: das hier ist meine Gemeinde und ich bin ihre Pfarrerin – so ist das jetzt und das ist gar nicht so schlimm. Darüber wollte ich schon letztes Jahr schreiben, denn das Gefühl war ein besonderes und denkwürdiges, aber dann passierte so viel so schnell und schwupp, wir hams 2016 und eröffnen das Lutherjahr, total crazy.

Als ich am Reformationstag in diesem Jahr in Dorf H ankomme und mit Ulf um die Ecke gurke, kann ich schon von Weitem sehen, dass irgendjemand sich kreativ mit dem Eingangsbereich der Kirchentür verausgabt hat. Große Windlichter auf weißem und fliederfarbenen Stoff, dazwischen kunstvoll drapierter Tüll. Ein Schmuck, wie man ihn sonst wohl  bei bei Hochzeiten in großen Städten findet, die Grenze zum Kitsch ist definitiv überschritten und ich in meinem Abschieds-Aufregungs-Gefühlstaumel bin tief, wirklich tief davon ergriffen (feuchte Augen).  Ich finde schnell die zwei Helferinnen („Die Sparkasse hat uns auch geholfen!“ „Äh, wie schön…“) , bedanke mich vor dem Gottesdienst, im Gottesdienst und nach dem Gottesdienst überschwänglich und bin insgesamt im Flow. In diesem Jahr kann ich die meisten Gemeindeglieder vor der Kirchentür sogar mit Namen begrüßen und bin darauf ein bisschen stolz, denn ich bin echt unfassbar schlecht mit Namen. Gesichter und Lebensgeschichten merken ok, aber Namen? Fatal.

Selbst vom Gottesdienst bin ich später angetan, obwohl es im Vorfeld  wieder kompliziert mit Luther und Paulus und mir war. Die unsäglichen Bläser blasen in der winzigen Kirche erstaunlich erträglich und nur selten schief und beim Agapemahl wird doch tatsächlich GELACHT, was könnte ich mehr wollen? Man findet es  scheinbar schön, das Fladenbrot gegenseitig zu teilen und die Weintrauben mit Segensworten herumzureichen und ich bin selig. So hatte ich mir das immer gewünscht, wow. Abendmahl feiern kann in vielerlei Hinsicht eine so deprimierende Angelegenheit sein, dabei ist es doch eigentlich etwas Wunderbares (Liebe! Gemeinschaft!…) was wir da feiern und man könnte doch wenigstens dabei lächeln, statt nur so betreten auf den Boden zu gucken (die Story hat schließlich ein fulminantes Happy End).  Aber am Reformationstag in Dorf H ist, wie gesagt, alles cool und man ist mit Freude dabei.

Nach dem Gottesdienst gibt es  Kaffee und Kuchen (keine Schnittchen, ich bin etwas traurig und kaue lange an zwei Stücken Napfkuchen). Jemand hat Luther-Luftballons in die Ecke gestellt und  verteilt Luther-Bonbons, Begeisterung auf allen Seiten. Ich muss tatsächlich auch darüber lachen, verrückt, aber das finde ich heute auch gar nicht so schlimm. So ist es dann wohl. Das hier ist meine Gemeinde und ich bin ihre Pfarrerin.

Die Stühle an der Tafel reichen nicht, weil mehr gekommen und geblieben sind als erwartet. Wir sitzen lange zusammen und erzählen. Als ich viel später als gedacht endlich mit Ulf aufbreche, sehe ich draussen noch quatschende Leute in Grüppchen zusammenstehen. Die können sich wohl auch nicht gut trennen, denke ich und gehe langsam und bewegt weiter.

Pfad-Finderei

Letzte Woche stolperte ich bei Facebook über das Foto eines Kleinwagens (nichts Ulfiges, sondern glänzend und neu), der gerade eine ziemlich steile Treppe hinunterbretterte. Unterschrift war: „Sie folgte dem Navi“. Natürlich störte mich sofort das Sie. Als ob nur weibliche Fahrerinnen einen schlechten Orientierungssinn hätten! Perfide, in Humor verpackte Diskriminierung, zum Kotzen.

Dieses Bild würden viele meiner Gemeindeglieder total witzig finden, Männer und Frauen. Seufz. Eine Dame aus dem Presbyterium behauptet hier auch  allen Ernstes, sie würde als „Lehrer“ arbeiten. Eine andere, nur wenig älter als ich, kauft für ihre Nichte ausschließlich rosa Kleidung und Spielzeug – weil sie so eine kleine Prinzessin ist. Die Gender-Debatte findet man an diesem vergessenen Fleckchen Erde absonderlich, wenn man sie überhaupt irgendwo findet – es wird nämlich nicht gegendert. Außer natürlich, ich kann mitmischen: die für den Gemeindebrief  beigesteuerten Artikel werden ausnahmslos korrigiert (*innen!) und an das Wort Jüngerinnen in meinen Andachten und Predigten, sowie den inklusiven Segen  haben sich scheinbar alle gewöhnt. Doch, ich versuche auch meinen Bildungsauftrag irgendwie ernst zu nehmen. Zu Beginn meiner Zeit hier meinte auch jemand zu mir: „In dieser Gemeinde sind die Frauen die Starken“ – so lebensfern ist das alles also gar nicht.

Was sonst noch nervt,  ist mein Orientierungssinn. Ich würde dem dämlichen  Klischee so gerne widersprechen, aber verdammt noch mal,  wenn mein Weg sich  gabelt und ich mich für eine Richtung entscheiden muss, dann geh ich mit trauriger Gewissheit in die falsche (auch wenn ich das weiß und extra versuche, anders zu laufen). Also lebe ich in ungesunder Abhängigkeit vom Navi in meinem Telefon und vom Netzempfang. Ist es übrigens zu fassen, dass ein Netzanbieter in meinem Ort seit einem halben Jahr den defekten Sendemast nicht repariert? Man lebt so abgehängt in der Pampa! Jedenfalls,  kurz nachdem ich den blöden Facebook-Post gesehen und beärgert hatte, war ich auf dem Rückweg von einer Beisetzung hin zu einem Gemeindecafé. Die Zeit war knapp, weil die Familie zum Kaffeetrinken danach wirklich spät dran war, 15 Minuten habe ich vor der Gaststätte gewartet. Die belegten Brote auf den Tischen wurden später wohl von anderen gegessen (man ließ sich auch Zeit damit, die Tafel zu eröffnen), ich raste zu diesem Zeitpunkt schon  an Feldern und Wäldern vorbei Richtung Dorf G.

Über die große Landstraße kenne ich den Weg dorthin. Fahrzeit ca. 20 Minuten, ich würde also mindestens 10 Minuten zu spät kommen. Ich kann es überhaupt nicht leiden, zu spät zu kommen, zur Sicherheit befrage ich das Telefon und siehe da:  es zeigt mir eine unbekannte Strecke hinten über Dorf F, die mich noch pünktlich ankommen lässt. Schon hier hätten bei mir alle Alarmglocken angehen sollen,  aber stattdessen denke ich: yeah, dann los! Das denke ich auch noch, als das Navi mich auf den breiten Sandweg am Feld entlang schickt – irgendwo wird ja wohl wieder eine befestigte Straße kommen. Auch als ich minutenlang Waldwege mit kratertiefen Schlaglöchern entlangholpere (der arme Ulf!)  lasse ich mich nicht entmutigen, das Navi wird es schon wissen. Das Ziel nähert sich auf dem Display unaufhaltsam (komme immer noch pünktlich!), ich fahre mitten im Wald an Teichen und Wanderwegen vorbei (ganz nett eigentlich) und stelle mich darauf ein, bald die ersten Häuser in der Ferne zu sichten. Als das Navi dann behauptet, ich sei am Ankunftsort angekommen, steht rechts von mir ein kleiner Nadelwald und links von mir ein großer Nadelwald, dazwischen Farne, viele Farne. Von Dorf G keine Spur – laut Navi bin ich im Dorfkern, pünktlich um 15 Uhr. Irgendetwas ist offensichtlich  fatal schief gelaufen (gefahren?),  liegt es am Netz? An der Karten-App? Etwa an mir? Ulf und ich wenden, ohne einen Baum umzunieten und darüber bin froh, ich weiß nicht wie ich irgendjemandem hätte den Weg erklären sollen. Dann erinnere ich mich an eine Weggabelung mit Schildern  und rumpele eilig zu ihr zurück. Ich könnte nun zurückfahren, wie ich gekommen bin, aber dann würde ich mindestens 15 Minuten verlieren. Oder ich folge ganz altmodisch analog  dem Schild, das nach Dorf G zeigt. Risiko! denke ich und los gehts. Das Navi behauptet derweil, dass ich noch 25 Minuten bis zum Zielort bräuchte, aber ich fahre unbeirrt weiter. Ulf macht zwischendurch komische Geräusche (bis heute, er nimmt mir die Fahrt noch übel, glaube ich), ich schwitze und versuche, Ulf wenigstens die tiefsten Löcher zu ersparen. Am Ende des Weges tauchen nun tatsächlich Häuser auf! Aus dem Weg wird endlich eine Straße, nur welches Dorf ist das hier? Kurz stelle ich mir vor, ich hätte ein noch unbekanntes Dorf fernab der menschlichen Zivilisation entdeckt, doch kurz darauf sehe ich das schon ziemlich verfallene Gemeindehaus und stelle fest, dass das Dorf fernab der Zivilisation zu meinem Gemeindegebiet gehört. Gott sei Dank! So sehr habe ich mich noch nie gefreut, in Dorf G angekommen zu sein. Kaffee, Kuchen und die  vier alten Damen erfüllen das Klischee, aber das ist ok. Echt ok.

 

 

Ein Abschied

Crazy shit – wordpress.com gratuliert mir zum Jahrestag. Hurray!  Fast genau ein Jahr nach meinem allerersten Geburtstagsbesuch in dieser Gemeinde bei Frau Kowarska, der gleichzeitig Thema meines ersten Blogeintrags  hier wurde.

Damals dachte ich noch, ich würde ständig Menschen zu Geburtstagen besuchen und die ganze Zeit Kuchen futtern und ratlos an Kaffeetafeln sitzen müssen. Dazu komme ich seit einigen Monaten überhaupt nicht mehr – stattdessen beschäftigen mich u.a. eine Teil-Vakanz (Konfirmanden und Konfirmandinnen mit Albtraumpotential in einer 45 Ulf-Minuten entfernten Stadt) und seit Herbst Religionsunterricht an der Grundschule im Nachbarort. Nebenbei wird die (es folgt ein ziemlich perfektes Wort für Galgenmännchen)  Wiederspielbarmachung  der Holzwurm-Marder-Orgel geplant und die Begradigung des schiefen Kirchturms von Dorf F vorbereitet.

Fun fact: Auf dessen Spitze hat irgendjemand kurz vor Weihnachten einen Herrnhuter Stern angebracht. Keiner weiß wer und wann und wo der – oder diejenige den Kirchenschlüssel herhatte – kurz nach Weihnachten war der Stern wieder verschwunden.

Frau Kowarska jedenfalls war im letzten Jahr immer irgendwie präsent. Wenn wir einen Gastchor  oder andere Musiker_innen zu Besuch hatten, backte sie Kuchen und kochte Kaffee. Sie brachte mir Johannisbeeren und Kirschen und Erdbeeren aus ihrem riesigen Garten. Zum Winter strickte sie mir Stulpen und dicke Socken in hellblau und grau, damit ich in den kalten Kirchen nicht immer so friere. Sie übernahm den Kirchdienst, wenn die anderen Presbyter (natürlich war sie auch Kirchenälteste)  es mal wieder vercheckt haben. Frau Kowarska ist Ende 70, so wie die meisten Gemeindeglieder. Seit langer Zeit hat sie Schwierigkeiten mit dem Laufen, Treppensteigen strengt sie besonders an. Trotzdem lief sie jeden Dienstag  – notfalls mit Rollator – zu uns ins Gemeindebüro und zählte die Kollekte und brachte sie zur Bank. Sie zählte auch jede einzelne Stufe in ihrem Treppenhaus (Wohnung im 5.Stock) und quälte sich sehr damit. Ende des Monats zieht sie fort von hier zu ihrer Tochter und deren Familie („Da ist keine einzige Stufe in der Wohnung! Ganz eben! Haben sie extra für mich gebaut.“) . Heute habe ich sie im Gottesdienst verabschiedet – mit kleiner Laudatio und Segen. Was für ein unwirklicher Moment: ich suchte passende Worte für eine Frau, die länger hier war als ich überhaupt lebe. Tränen flossen nicht nur bei ihr. Nach dem Gottesdienst sollte es eigentlich nur Kaffee geben, aber natürlich hat Frau Kowarska Kekse, Schnittchen und drei Sorten Kuchen mitgebracht. „Nun essen Sie doch noch. Mögen Sie noch Kuchen? Oder Tomate? Oder Kaffee?“  F**K-Tee gab es heute nicht. Schade eigentlich, vielleicht hilft der gegen Abschiedsschmerz.

Mett und Trauer

Viele Kollegen und Kolleginnen nehmen im Pfarramt zu. Kein Wunder, es gibt ja ständig überall Kuchen und Torte. Beim Gemeindecafé, bei Geburstagsbesuchen, manchmal auch bei Kausualgesprächen. Ich habe doppeltes Pech: Erstens sehe ich so aus, als könnte ich gut viel Kuchen vertragen (groß und schlank). Zweitens mag ich nicht so gerne Kuchen. Nicht, dass er mir nun überhaupt nicht schmecken würde – aber wenn ich mich zwischen einem Stück Torte und sagen wir, einem Mettbrötchen  entscheiden könnte – das Brötchen gewinnt immer.

So ein Arbeitstag im Pfarrdienst kann ganz schön eng getimt sein, seit ich Pfarrerin (ohne ständig hier wohnenden Pfarrmann) bin ist mein TK-Pizza-Verbrauch rapide in die Höhe geschnellt. Manchmal klappt es mit dem Kochen und dann bin ich richtig stolz. Vor ein paar Wochen hab ich einen Rieseneinkauf in einer größeren Stadt gemacht (so richtig mit Gemüse und Obst und lauter frischen Sachen). Ich habe extra  keine Pizza gekauft, damit ich ja nicht in Versuchung gerate. Nur eine Dose Bio-Linsensuppe (immerhin Bio, wenn auch Dose) für den äußersten Notfall, wenn mal wieder gar keine Zeit ist. Der Einkauf war vormittags. Die Linsensuppe hat es nur bis zum nächsten Mittagessen geschafft.

Es gibt Anlässe in der Gemeinde, bei denen auch Herzhaftes serviert wird. Beispielsweise bei den Trauercafés nach Bestattungen. So ein Trauergottesdienst ist wirklich sehr anstrengend und oft  hab ich hinterher einen Bärenhunger. Ich finde es wichtig, bei diesen Zusammenkünften nach den Trauerfeiern dabei zu sein. Manchmal ergeben sich noch Gespräche mit den Angehörigen oder Menschen, die ich noch nicht kenne.

Ich habe schon festgestellt, wann es wo höchstwahrscheinlich welche belegten Brötchen gibt (Griebenschmalz -, Käse –  oder Mettbrötchen). Letzte Woche war eine Bestattung, bei der mich die Familie erst vergessen hatte einzuladen, worüber ich ehrlich gesagt, nicht wirklich traurig war. Manchmal sind diese Runden auch sehr anstrengend, meist kenne ich nur wenige Leute und ich muss dann auch Lust haben auf Smalltalk oder Spontan-Seelsorge. Eine halbe Stunde später rief mich die Familie dann doch an, ob ich nicht noch dazu kommen wolle. Ich folgte meinem Bauchgefühl und ging hin.

Ich komme in der Gaststätte an. „Nehmen Sie Platz! Schön, dass Sie da sind. Wollen Sie Kaffee? Was möchten Sie essen?“ „Danke, gerne Kaffee.“ Am Ende der Tafel entdecke ich Verheißungsvolles. „Gibt es denn noch Mettbrötchen?“ „Na klar, Sie bekommen die beiden letzten“. Ich bin hocherfreut und widme mich zunächst voll und ganz dem Brötchen. Nach einer Weile  betrachte ich kauend und schweigend die Trauergesellschaft. Es geht um die Verteilung des Erbes, man diskutiert laut und schimpfend.  Ein Senior fällt rein optisch aus der Reihe, er trägt einen hellen, teuer aussehenden Anzug und fängt meinen Blick auf. Er beginnt ein Gespräch und schon bald wechselt er seinen Platz und setzt sich mir gegenüber.

„Wollen wir ein bisschen über den HERRN reden?“ Ich verschlucke mich fast an meinem Brötchen. Bevor er sich rübersetzte ging es nämlich noch um seinen Wohnort und dass ich da für einige Zeit ein Seminar besucht hatte. Aber ok denke ich, ein offensichtlich gläubiger, theologisch interessierter Gesprächspartner – das ist ja auch mal eine nette Abwechslung. In großen Schritten geht es nun um Hiob, die Bergpredigt und die Erbsündenlehre. Er: „Damals..der Apfel und Eva und Adam. Die Erbsünde. Die Wurzel allen Übels..“ ich: „Ich finde, das ist eine überholte Lehre. Die Vorstellung, dass die Erbsünde von Generation zu Generation über die Fortpflanzung weitergegeben werden soll…Dann würden ja auch kleine Babies unter der Erbsünde stehen, das ist doch…“ Er: “ Sie haben wirklich schöne Augen!“. Überrascht halte ich einen Moment inne. Der Senior flirtet mit mir! Ich reagiere bewusst nicht darauf (ein Versuch souverän zu wirken), gucke kurz auf die Brötchen und versuche es nochmal mit dem Thema  Sünde. Aber er nimmt den Faden nicht mehr auf. Er spricht nun darüber, wie schön es für mich sein muss für den HERRN zu arbeiten und ich bestätige, dass ich meiner Meinung nach den coolsten Chef überhaupt  habe. Er freut sich für mich. „Aber Sie haben wirklich wunderschöne, blaue Augen“ Einen hartnäckiger Charmeur habe ich da erwischt.  „Danke, ja, äh..Und wollten Sie selber auch einmal ins Pfarramt?“… Meine zwei Mettbrötchen sind schließlich aufgegessen, ich habe zwei Tassen Kaffee getrunken und beschließe, das es jetzt Zeit ist zu gehen. Der Senior lässt es sich nicht nehmen, mich nach draußen vor die Tür zu bringen. Zügig verabschiede ich mich und gehe los, genug ist genug. So ein flirty-Gespräch hatte ich lange nicht mehr – und auf einem Trauercafé hatte ich es nun überhaupt nicht erwartet. Irritiert und gesättigt stapfe ich die Treppe in meine Wohnung hoch und freue mich darauf in den nächsten Stunden einfach mal ganz alleine am Schreibtisch abhängen zu können.