Champagner und Schnittchen

Am  1. Januar vor einem Jahr bin ich irgendwann gegen Mittag mit einem gehörigen Kater aufgewacht. Ich lag im Bett und befühlte vorsichtig mein neues Leben: Pfar-re-rin. Alles neu, alles Wahnsinn. Meine erste Nacht im Pfarrhaus fand nach zwei Altjahresgottesdiensten in meiner Vikariatsgemeinde und einer Stunde Autofahrt als berauschendes Fest zwischen Umzugskartons, Raclette und Lagerfeuer statt- der Gang sei dank.  Um Mitternacht zogen wir mit Wunderkerzen und Raketen auf den Marktplatz und begrüßten das neue Jahr in einer scheinbar menschenleeren Stadt.

In diesem Jahr klingelte am 1. Januar um neun der Wecker. Träge schlurfte ich Richtung Kaffeemaschine und Bad, die anderen schliefen noch.  Zwei Gottesdienste am Neujahrstag  wollten gefeiert werden – einer vormittags, der andere um 14 Uhr mit anschließendem Neujahrsempfang. Club Mate und einer gewissen Disziplin in der Silvesternacht sei Dank hielten sich Müdigkeit und Kater dann auch in erträglichen Grenzen. Beim Anziehen der talarfähigen Kleidung (schwarz, vier Schichten) wird der Liebste wach und fragt: „Na, haste Bock?“ Und ich sage trotz Müdigkeit und dem Drang mit der Gang tagsüber abzuhängen: „Joa, ich freu mich auf die Gottesdienste, vor allem auf die Predigt“

Martha ist die einzige aus der Gemeinde, die an Neujahr auf meine Predigt reagiert. Sie hat bis morgens um sechs gefeiert und dabei mit ihren Gästen über die weibliche Seite von Gott diskutiert. Darum ging es auch in meiner Predigt und so war ihre Freude groß. Auch die Gang findet den Weg über die Straße vom Pfarrhaus in die Kirche und reißt während des Gottesdienstes den Altersdurchschnitt kräftig herunter. Sie verhalten sich ruhig und unauffällig im Gegensatz zur Nacht davor: jemand hatte silber glitzernde Tröten mit zur Party gebracht und während wir mit Wunderkerzen und Raketen zum Marktplatz gingen, machten wir damit ungeheuerlichen Krach.

Wieder hatten wir den Platz für uns alleine. Um die Ecke gab es dafür großes Feuerwerk und kurz nach Mitternacht kamen doch ein paar bekannte Leute aus dem Ort dazu. Obwohl ich nicht daran gedacht habe die Kirchenglocken zu läuten. Weil ich nach einem Jahr hier immer noch nicht weiß, wie das eigentlich geht (dafür kann ich heizen). Luft nach oben bleibt  in der Plötzlich-Pfarrerin-Welt wohl immer. Und damit Platz für mehr Geschichten.

Euch allen da draußen ein frohes neues Jahr! Wir lesen uns und ich freu mich drauf. Cheers!

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Weihnachtsgrüße

Ihr lieben Leserinnen und Leser,

richtig plötzlich ist es mit meinem Pfarrerinnen-Dasein mittlerweile nicht mehr. Dennoch ist es gestern zum ersten Mal für mich in dieser Gemeinde Weihnachten geworden. Die Prognosen für die Gottesdienstbesucher_innenzahlen standen auf halb volle Kirche. Stattdessen – wie es sich zu Heiligabend gehört – eine rappelvolle Kirche, Menschen die beim spontanen Mitmach-Krippenspiel spontan mitgemacht haben und ich vorne und mittendrin. Viele kamen sogar ein zweites Mal in die Kirche zur Christnacht, die ich genau so gefeiert habe, wie ich schon immer mal Gottesdienst feiern wollte (mit Klavier und Gitarre und John Lennons Imagine und einer Kerzenaktion wie in Taizé).

Mit der „eigenen“ Gemeinde Weihnachten zu feiern war und ist für mich verrückt schön, nach fast einem Jahr kenne ich den einen oder die andere auch und weiß, was so alles los war. Da passiert schon mal eine wortlose Umarmung am Ausgang.

Im Pfarrhaus ist gerade volles Haus: der Liebste ist hier und Gerda und Barbara und die beiden großen Geschwister. Letzte Woche habe ich zum ersten Mal einen Weihnachtsbaum gekauft (krasserer Initiationsritus als der erste Autokauf behaupte ich) und eine Gans, die mit Äpfeln aus dem Pfarrgarten gefüttert wurde und gerade im Ofen ist. Heute hab ich frei (Halleluja!) und morgen geht es weiter mit Gottesdiensten.

Euch allen, die ihr hier immer mal wieder vorbeischaut, mitfiebert und kommentiert gesegnete Weihnachten!

Peace out und auf baldiges Wiederlesen.