Orientierungslosigkeiten auf weiter Flur

Bei 8 Predigtstätten, 16 Dörfern und einem schlecht ausgebautem Handynetz bleibt es nicht aus, dass ich ab und an mal den Weg nicht finde. Was auch daran liegen könnte, dass mein Orientierungssinn nicht meine größte Stärke ist. Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass ich von Google Maps bisher zu sehr verwöhnt wurde. Oder auch damit, dass die Menschen die hier seit Ewigkeiten wohnen nicht auf dem Schirm haben, dass es Leute gibt, die hier eben nicht seit Ewigkeiten wohnen. Ich zum Beispiel.

Letztens lädt man mich nach einer Bestattung zum Trauerkaffee ein und sagt: „wir treffen uns dann im Gemeindehaus.“ Gemeindehaus, denke ich – das ist ja super. Da war ich ja erst letzte Woche zum Gemeindekaffee. Ich erinnere mich an den durch Ofenheizung gemütlich warmen Raum, an heißen Kaffee und freue mich. Meine Füße spüre ich zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich lange nicht mehr. Laufen wie auf gefrorenen Eiern. Die Trauerhalle ist offen und nicht beheizbar, draußen liegt Schnee. Jedenfalls fahre ich zum Gemeindehaus und finde gleich den Weg. Hinten rum, durch den Hof und dann parken, und dabei nicht die Blumenkübel umfahren.  Die Woche zuvor bin ich minutenlang in konzentrischen Kreisen um das Gemeindehaus herum gefahren und hätte ich nicht jemanden aus der Gemeinde getroffen, der mir laufend und rufend den Weg wies – ich hätte es nie im Leben gefunden. Jedenfalls gehe ich durch den Hintereingang rein: Stille. Kälte. Niemand da. Och nö, dann muss es wohl doch in einem anderen Gemeindehaus sein. Ich laufe eine Weile unschlüssig (die Füße! Die Kälte!) durch das kleine Dorf und schiele in jedes Haus, was nach einem potentiellen Versammlungsort aussieht. Fluchend und schimpfend kehre ich nach Weile zurück auf den Hof, starte mit vor Kälte starren Fingern das Auto und rolle schlechtgelaunt vom Hof, ohne die Blumenkübel umzufahren. Zum Glück entdecke ich einen Einheimischen, der mir schließlich doch den Weg weist. Ich komme 20 Minuten später an als gedacht.

Heute war ich hier wieder zu einem Trauerkaffee eingeladen. Anderer Friedhof, anderer Ort. Übrigens der Ort, in dem ich seit Anfang Januar wohne, ich kenne mich also schon ein bisschen aus.  Aber ich lerne dazu: nach der Trauerfeier frage ich den Bestatter, wo ich denn die Räumlichkeiten finden kann. Der Bestatter kennt sich aus, er kommt von hier und klärt mich auf. Er sagt:“ im Kreisel zweite Ausfahrt in den Wald.“ Super, denke ich und frage: „Meinen Sie den ersten oder den zweiten Kreisel?“  Kurzer irritierter Blick seitens des Bestatters, dann sagt er: „Hier gibt es nur einen Kreisel.“